Und so treiben wir dann durch das All, getragen von rhythmischem Satellitenpiepsen und silbriger Sphärenmusik, und lassen den Blick durch die Schwärze schweifen, in der es gelegentlich verheißungsvoll glitzert. Aber das Glitzern: Das sind keine Sterne, es handelt sich lediglich um schwebenden Schrott. Um Schrott allerdings, der in seiner diamantenen Schönheit jeden echten Stern überstrahlt; "glänzender Schrott / wie Diamanten überzogen von Rost", singt Stefanie Schrank im ersten Stück ihres Albums Unter der Haut eine überhitzte Fabrik.

Ihre Lieder handeln von Einsamkeit und vom Ruin und von der Zuversicht, die sich aus dem Blick in die Schwärze gewinnen lässt; sie werden zu schlichten Bassfiguren gesungen und zu motorischen Rhythmen, über denen manchmal Arpeggien funkeln von angerosteten Analogsynthesizern – Schönheit aus Schrott, oder vielleicht genauer: Schönheit aus dem Klangmaterial fast vergessener Zukunftsvisionen. Sonst spielt Stefanie Schrank den Bass in einer Indierockgruppe namens Locas In Love. Bei diesem Album handelt es sich nun um ihr Solodebüt, eine leise und kühle, in ihrer traumhaft flackernden Insichgekehrtheit leicht zu übersehende Platte.

Wir treiben mit ihr durch das All wie in der kosmischen Musik der Siebzigerjahre, die Vorbilder dieses Sounds und dieser Motorik sind Gruppen wie Harmonia, Neu! und die frühen Tangerine Dream. Genau wie diese richtet Stefanie Schrank den Blick auf das Firmament, in die galaktische Ferne, um dort einen Spiegel in den "inner space" zu finden, in die Tiefen des Unbewussten. "Außen wird Innen / und Innen wird Außen", singt sie in dem Stück Möbiusschleife. Dabei klingt ihre Stimme, als ob sie aus einem Wachtraum herüberweht; aus einem Zustand, in dem nicht das Ich singt, sondern das Es. Zwischen dem Singen und dem Gesungenwerden, zwischen Aktivität und Passivität gibt es hier keinen Unterschied und auch nicht zwischen dem Leben und den leblosen Dingen. Wenn wir in ihren Liedern anderen Menschen begegnen, dann werden sie als Maschinen beschrieben. Freilich sind es Maschinen, die leben und die unablässig Begehren erzeugen und erotische Anziehungskraft.

Die "überhitzte Fabrik", die Stefanie Schrank im Titelstück ihres Albums besingt, waltet "unter der Haut" eines geliebten Menschen. Es ist eine Maschine, die ganz für sich selbst funktioniert und gerade deswegen stets vor der Explosion steht, und die Explosion: Das ist der alles entscheidende Schritt aus der Einsamkeit in die Öffnung zum anderen. So ist es mit ihrer gesamten Musik, der beim ersten Hören eine große Selbstbezüglichkeit anhaftet, etwas Monadisches, das zunächst fremd und abweisend wirkt. Doch die Energie, die unter den Liedern wirkt und sie unterwühlt – die Stadt unter der Stadt, wie ein weiterer Titel heißt –, zieht den Hörer oder die Hörerin tief in die nur scheinbar kühlen Klangwelten hinein. Lässt das Ohr wach werden für die sonderbare Verschränkung von Motorik und Vitalität, von Müdigkeit und Erregung, von resignativem und orgiastischem Seufzen. Die Musik, die Stefanie Schrank mit trügerisch geringen musikalischen und lyrischen Mitteln erzeugt, ist in Wahrheit reich und groß und von unruhiger Erhabenheit. Sie ist nicht weniger als eine der tollsten Preziosen, die der deutsche Pop im abgelaufenen Jahr hervorgebracht hat.