So etwas Schlüpfriges hätte man der Telekom gar nicht zugetraut. Schlüpfrig im wahrsten und doppelten Sinne. Im Oktober konnte man dort Unterwäsche bestellen, die es im Liebesleben "wieder kribbeln" lassen soll, wie es die Telekom nennt.

Die pure Sorge um uns Smartphone-Nutzer hat den Konzern dazu getrieben, seine eigene "Love Magenta Connected Underwear" zu entwerfen. In einer Befragung hatte das Unternehmen zuvor herausgefunden: Die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen nutzt selbst dann ihr Handy im Bett, wenn der Partner oder die Partnerin neben ihr oder ihm liegt. Und fast vierzig Prozent sagen, dass durch den Smartphone-Gebrauch "ein intimer Austausch in diesem Moment verhindert wird".

Retten will die Telekom das Liebesleben mit einem rosafarbenen Schlüpferpaar: einem Höschen für sie, einem für ihn. Darin eingesetzt ist ein "LoveChip" (er heißt wirklich so). Dieser aktiviert sich, sobald sich der Schlüpfer bewegt, durch was auch immer. Er sendet dann per Bluetooth ein Signal an das Smartphone des Partners – desjenigen also, der da neben einem im Bett liegt und gerade Spiele daddelt, Filme schaut oder Instagram-Storys liest. Tatsächlich spürt der Partner sofort ein Kribbeln, zunächst allerdings nur in der Hand: Das Gerät meldet ihm, er solle den "LoveMode" (ja, auch der heißt tatsächlich so) ein- und das Gerät ausschalten.

Von diesem Zeitpunkt an soll es auch außerelektronisch kribbeln. Der Partner schmeißt am besten sein Smartphone aus dem Bett und reißt der Partnerin die Unterhose vom Leib. "Smarte Unterwäsche für mehr Zeit zu zweit!", so fasst die Telekom das erhoffte Geschehen zusammen.

Die gute Nachricht: Nicht beide müssen das Telekom-Höschen tragen, damit es kribbelt, eine/r reicht. Die schlechte: Die Underwear kann nur im Umkreis von fünf Metern connecten. Besser wäre, wenn die Verbindung über größere Entfernung möglich wäre, wenn etwa die Partnerin schon vom Büro aus das intime Unterhosenstartsignal gibt. Dann hätte er zu Hause noch Zeit genug, beim Spielen den nächsten Highscore zu erreichen (oder was er auch immer da auf seinem Smartphone treibt).

Es ließe sich nun einwenden, dass auch Reden dem Sex auf die Sprünge hilft und man sich also auch (fern-)mündlich zu mehr Intimität verabreden kann. Liegt der Partner gar neben einem im Bett – egal ob mit oder ohne Smartphone –, muss man nicht einmal das tun. Die Telekom nennt ihre Unterwäsche wohl auch deswegen ein "bewusst absurdes Produkt". Ihr Vice President Wolfgang Kampbartold sagt, man möchte damit "eine Debatte über den sinnvollen Umgang mit dem Smartphone anregen".

Ob die Verbraucher das verstanden haben? Die erste, limitierte Auflage der Love Magenta Connected Underwear zumindest ist ausverkauft. Dieser Erfolg dürfte eher nicht an der grellrosa Schlüpferfarbe liegen. Stattdessen könnte es also tatsächlich sein, dass manche Menschen ein Gadget brauchen – um ein Gadget beiseitezulegen.

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