Wie ein zahmer Tiger liegt das Freie Klavier im Morgenlicht. Schwarz-gelb gestreiftes Holzgehäuse, verkettet mit einem schwarzen Klappstuhl. Es gehört allen am Frankfurter Hauptbahnhof, was täglich eine halbe Million durchreisende Kurzzeit-Klavierbesitzer ergibt. Noch etwas mehr gehört es der Musikschule Clavina, die das Public Piano für ein paar Monate bereitstellt. Jung, alt, weiblich, männlich, gottesfürchtig, atheistisch – alle sollen hier spielen und sich dank der Musik näherkommen. Hier? In diesem Mobilitäts-Moloch voll bettelnder Junkies, Gestank und Rücksichtslosigkeit?