Noch bevor die grünen Wahlsieger ihre Kandidatin richtig lancieren konnten, stand der Entscheid der bürgerlichen Bundesratsparteien: Nein, wir wollen nicht teilen. Nicht die Regierungssitze, geschweige denn die Macht, die sich daraus ableitet. Selbst die Sozialdemokraten waren nur mäßig begeistert davon, nicht mehr die einzige linke Stimme in der obersten Behörde des Landes zu sein.

Aus der ersten grünen Bundesrätin in der Geschichte der Schweiz wird am kommenden Mittwoch also nix. Doch damit verpasst das Schweizer Parlament eine historische Chance.

Nicht nur, weil eine grüne Bundesrätin im Kampf gegen das brennendste Problem des 21. Jahrhunderts helfen würde – den Klimawandel. Nicht nur, weil ein Siebtel Grün im Bundesrat (vom Parlament gewählt) die Mehrheitsverhältnisse in der neuen Bundesversammlung (vom Volk gewählt) besser abbilden würde; drei rechte säßen drei linken Bundesräten gegenüber und in der Mitte die Kollegin der CVP. Und nicht nur, weil ebendiese CVP-Bundesrätin zur Matchmakerin zwischen den politischen Lagern würde.

Am 11. Dezember böte sich dem Schweizer Parlament die Chance für einen Systemwechsel: weg vom soldatischen "Ist so, weil war so. Bleibt so, weil ist so"-Prinzip, hin zu einer neuen Form der Regierungsbildung. Einer, die versucht, alle vier Jahre den Wählerwillen möglichst adäquat im Bundesrat abzubilden. Ein bisschen mehr Macht fürs Volk.

Ohne dass die Wahlgewinner ihren Sieg bei den nächsten Wahlen zuerst bestätigen müssen. Ohne dass sie sich mit Volksinitiativen und jahrelanger Opposition ihren Sitz in der Regierung erstreiten müssen.

Klar, damit würde mit einigen Traditionen gebrochen. Bundesräte könnten nicht mehr selbst entscheiden, wann sie zurücktreten wollen. Ihre Abwahl wäre nicht mehr ein Skandal, sondern eine Möglichkeit unter vielen. Und es würde nicht nur Bundesräte treffen, deren Parteien rechnerisch einen Sitzanspruch verloren haben, sondern auch Regierungsmitglieder, die ihre Büez nicht ordentlich erledigen. Die zu klein für ihr Amt sind.

Bloß fehlt den Parlamentariern der Mut zum Umbruch. Wobei, noch sind es ein paar Tage bis zur Wahl.