Was für ein Pech, und das so kurz vor Weihnachten! Wie das Verteidigungsministerium soeben mitteilt, wird die Bundeswehr ihren funkelnagelneuen Marinehubschrauber vorerst nicht in Betrieb nehmen. Weil die Bedienungsanleitung für die Piloten unvollständig sei und werkseitig große Lücken aufweise, könne ein sicherer Flugbetrieb mit dem NH90 Sea Lion nicht gewährleistet werden.

Liebe Frau Kramp-Karrenbauer, das ist schon die zweite Horrormeldung zum Sea Lion aus Ihrem Ressort! Bereits vor vier Jahren hatten Gutachter nasse Füße bekommen und erklärt, der neue Marinehubschrauber sehe zwar kampfeslustig aus, sei aber für einen Einsatz über dem offenen Meer völlig ungeeignet.

Liebe Frau Verteidigungsministerin, wir wissen, wie sehr Sie unterm friendly fire von Friedrich Merz leiden, der ja ebenfalls kampfeslustig aussieht und doch als bodenständiger Sauerländer für einen Einsatz über dem offenen politischen Meer ungeeignet ist. Das Investigativressort der ZEIT war deshalb so nett und hat für Sie die fehlenden Kapitel aus der Bedienungsanleitung des NH90 kopiert, ziemlich legal übrigens, wie die Kollegen versichern. Dürfen wir Ihnen das Ganze kurz vorlesen?

Punkt eins im "Problemlösungskatalog Sea Lion" betrifft das gefürchtete Ruckeln der überhitzten Luftschaufeln am Hauptrotor nach der erfolgten Landung bei Schönwetter. Als Ursache vermutet der Hersteller, dass der Steuerungshebel des Drehflüglers im Bereich des unteren Verbindungssteckers aufgrund einer Kontaktkorrosion einen harmlosen Wackelkontakt aufweist oder während der Frühstückspause über die Nullposition hinaus versehentlich in Richtung des Querruders verstellt wurde. Zur Fehlerbehebung wird die verschmorte Trägerplatine im Flight-Control-Computer mit einem kräftigen Ruck entfernt und anschließend mit einem handelsüblichen Profi-Gerät fachmännisch am Mainboard neu verlötet. Sicherheitshinweis: Bitte Stecker nicht vertauschen! Die Bedienungsanleitung NH90 Sea Lion weist darauf hin, dass die Neuverlötung nicht während des laufenden Flugbetriebs beziehungsweise über dem offenen Meer erfolgen darf. Dabei achten die Piloten darauf, dass der noch heiße Lötkolben dringend vom wärmeempfindlichen Zielsuchsensor der bordeigenen Luft-Boden-Raketen fernzuhalten ist. Totalschäden durch unsachgemäße Nichtbeachtung dieser Empfehlung sind durch die Garantie des Herstellers Airbus Helicopters nicht abgedeckt. Liebe Frau Kramp-Karrenbauer, wir wünschen Ihnen nun viel Spaß mit Ihrem neuen Heli.

Bei Nachfragen stehen Ihnen die Kollegen vom Ressort Wissen I und Wissen II gern mit Rat und Tat zur Seite. Anruf genügt, Ihr Finis