DIE ZEIT: Wenn Sie eine Prognose abgeben müssten: Wird der chinesische Mobilfunkanbieter Huawei am Ausbau des neuen Internetstandards 5G in Deutschland beteiligt werden?

Heiko Maas: Zumindest nicht in dem Umfang, wie sich das einige heute vorstellen.

ZEIT: Was spricht aus Ihrer Sicht dagegen, Huawei stärker zu beteiligen?

Maas: Die Dimension des Problems. Es geht hier nicht um ein einzelnes Unternehmen, sondern um die grundsätzliche Frage, welche Anforderungen wir an Firmen stellen, die in Deutschland kritische Infrastruktur aufbauen oder betreiben. Mit 5G erreichen wir eine komplett neue Stufe der Digitalisierung. Über den neuen Mobilfunkstandard wird sie noch tiefer in unser tägliches Leben eindringen. Die derzeitigen Sicherheitsbestimmungen reichen nicht aus, um unter diesen Umständen eine mögliche Einflussnahme abzuwehren.

ZEIT: Wie würde Einfluss ausgeübt werden?

Maas: Nehmen Sie nur die Medizintechnik, Kraftwerke, das autonome Fahren oder die Vernetzung in der industriellen Produktion. Das wird alles über 5G organisiert. Wer die Hardware und die Software zur Verfügung stellt, kann also großen Schaden anrichten. Wir dürfen nicht naiv sein. Es geht nicht nur um Spionage, sondern potenziell auch um Sabotage.

ZEIT: Was folgt daraus?

Maas: Die Sicherheit unserer digitalen Infrastruktur muss im Zentrum stehen. Es wird bereits an einem neuen Katalog mit technischen Sicherheitsanforderungen gearbeitet. Ich bin aber der Meinung, dass es zwingend notwendig auch eine politische Vertrauensprüfung geben muss.

ZEIT: Sie zweifeln also an der Vertrauenswürdigkeit von Huawei?

Maas: Ich hätte gerne die Möglichkeit, die Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Das gilt für Huawei wie für jedes andere Unternehmen, das sich am Ausbau des 5G-Netzes beteiligen möchte.

ZEIT: Huawei sagt: Man kann uns vertrauen, wir spionieren nicht.

Maas: Die Frage ist, welchen rechtlichen Vorschriften ein Unternehmen unterworfen ist. Es muss geprüft werden, ob Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, Informationen und Daten, die geschützt werden müssen, zu Hause abzuliefern. In China bei Huawei ist das der Fall. Das müssen wir uns dann schon genauestens anschauen.

ZEIT: Anschauen oder verbieten?

Maas: Wenn die Prüfung zum Ergebnis kommt, dass unsere deutschen Sicherheitsinteressen verletzt werden, dann muss dem betreffenden Unternehmen eine Beteiligung an kritischen Kernkomponenten von vornherein verweigert werden.