"Was gab es denn? Was lag in der Luft? – Zanksucht. Kriselnde Gereiztheit. Namenlose Ungeduld. Eine allgemeine Neigung zu giftigem Wortwechsel, zum Wutausbruch, ja zum Handgemenge." Thomas Mann schrieb diese Zeilen in seinem 1924 veröffentlichten Zeitroman Der Zauberberg. Eingefangen ist darin die Unruhe vor dem Ersten Weltkrieg, doch trafen seine Worte ebenso gut die Stimmung der Zwanzigerjahre. Heute, scheint es, taugen sie erneut als Spiegel – und das bei anhaltender Konjunktur, niedriger Arbeitslosigkeit und einer zwar langweiligen, aber solide arbeitenden Bundesregierung. Nur 57 Prozent der Bürger halten laut einer Allensbach-Umfrage politische Stabilität für eine Stärke Deutschlands, vor vier Jahren waren es noch 81 Prozent.