Das Bild der Kollegen auf dem Monitor ist eingefroren. Nur eine gewaltige Nase ist zu sehen. Offenbar hat sich einer dem Bildschirm genähert, um etwas einzustellen. Dann blieb die Skype-Übertragung hängen. Kurz darauf ist auch der Ton weg. "Hallo, hört ihr uns?"

Jeder, der wie ich öfter mit Kollegen in der Ferne zusammenarbeitet, kennt das: kreischende Störgeräusche, abbrechende Verbindungen. Als freie Technik-Journalistin spielt es keine Rolle, wo ich arbeite: Ich interviewe Menschen aus Japan oder den USA per Skype oder reise hin; ich plane Konferenzen mit mehreren Teilnehmerinnen in Videokonferenzen. Die Bilanz: Alle technischen Möglichkeiten scheinen die Distanz noch zu vergrößern.

Das gilt nicht nur für kostenlose Apps wie Skype, auch teure Video-Konferenzsysteme sind kaum besser. Große Bildschirme dienen als Fenster von einem Ort zum anderen. Aber oft starrt man minutenlang in einen leeren Konferenzraum, und bis sich dort irgendwann die Tür öffnet, sind wir dabei, E-Mails zu beantworten. Hinterher weiß niemand, was genau besprochen wurde. Die alte Telefonschalte war nicht besser. Viel Arbeitszeit wurde schon verschwendet in Konferenzen mit dem Hörer am Ohr, in denen die Hälfte der Teilnehmer ihr Mikrofon auf stumm stellt, damit man das Klappern der Tastatur nicht hört. Wozu zuhören? Es gibt ja ein Sitzungsprotokoll.

Die größten Schwächen hat die Kommunikation per E-Mail. Eine Studie US-amerikanischer und kanadischer Forscher ergab, dass Menschen 34-mal erfolgreicher sind, andere zu überzeugen, an einer Umfrage teilzunehmen, wenn sie ein persönliches Gespräch führen, als wenn sie ihr Angebot schriftlich formulieren. Auch wenn sie der Ansicht sind, schriftlich überzeugender zu sein.

Alle Beispiele zeigen: Die Zusammenarbeit über die Distanz scheitert nicht allein an den Macken der Technik, sondern auch an Menschen, die diese Macken für allzu Menschliches nutzen. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht gilt in der Kommunikationstheorie deshalb immer noch als Goldstandard. Nur so können alle Nuancen der Kommunikation – Gestik, Mimik, Klang der Stimme, Körpersprache – genutzt werden. Auch der Augenkontakt ist wichtig.

Sherry Turkle ist Psychologin am Massachusetts Institute of Technology (MIT), sie klagt schon seit Jahren, dass Technologie und soziale Medien uns einsamer machten, weil der Kommunikation via Technologie zentrale Bestandteile fehlten. Turkle warnt, Empathie gehe verloren, weil wir unsere Kommunikation in die sozialen Medien verlegt haben, anstatt direkt miteinander zu reden.

Leider ist dies aber anders oft nicht möglich, wer setzt sich schon für eine einstündige Konferenz in den Zug oder gar Flieger. Dienstreisen kosten Zeit und Geld und schaden dem Klima. Auch in Zukunft werden wir also auf die moderne Kommunikationstechnik angewiesen sein. Nur – geht das nicht besser?