Als ich vor drei Jahren eine Eigentumswohnung in Prenzlauer Berg kaufte – offene Küche, große Dachterrasse, Blick auf den Berliner Fernsehturm –, kam mir ziemlich schnell der Gedanke, dass man dieses Schmuckstück hin und wieder an Filmproduktionsfirmen oder Fotografen vermieten könnte. Ich komme selbst aus der Werbebranche und habe schon einige Shootings und Videodrehs in fremden Wohnungen veranstaltet. Daher wusste ich, mit welchen Merkmalen man punkten kann. Gleichzeitig war genau meine Erfahrung das Problem: Immer wieder hatte ich erlebt, was sich hinter den Kulissen abspielt. Einmal hatte eine Familie, die früher nach Hause zurückkehrte, zwei Aufnahmeleiter schlafend in ihrem Bett vorgefunden. Das machte mir nicht die größte Lust darauf, fremde Leute in meine eigenen vier Wände zu holen.

Am Ende siegte die Neugier – und die Tatsache, dass die Firmen pro Drehtag oft eine Monatsmiete zahlen. Ich ließ meine Wohnung in die Kartei eines befreundeten Locationscouts aufnehmen. Schon nach ein paar Wochen meldeten sich die ersten Interessenten. Bis heute kommt pro Monat etwa eine Anfrage. Natürlich wird nicht aus jeder etwas. Wenn der Kunde die Wohnung auf den Fotos für gut befunden hat, schickt er ein kleines Team vorbei, bevor sie den Zuschlag erhält. Ein bisschen ist das wie bei einer Castingshow: Man hangelt sich von Runde zu Runde.

An mein erstes Mal erinnere ich mich noch genau. Es ging um ein Werbeshooting für einen Hersteller von Milchprodukten. Dazu rückte ein 20-köpfiges Team an, mitsamt unzähligen Kartons, gefüllt mit Tellern, Tassen und Besteck, dazu Scheinwerfer, Kameras und natürlich die Schauspieler. Am Tag davor ging ich noch einmal durch die Wohnung, versuchte sie mit den Augen von Außenstehenden zu betrachten: Ist alles sauber? Sieht alles so aus wie auf den Fotos, die ich hinterlegt habe? Dann brachte ich die Gegenstände in Sicherheit, an denen mein Herz hängt, darunter eine Vase, die mir meine Mutter geschenkt hat, und ein paar Designer-Teddys aus Japan. Das Team hatte angekündigt, dass zwei Kleinkinder dabei sein würden, da wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen.

Während des Shootings habe ich mich in meinem Büro eingesperrt und mir fest vorgenommen, es unter keinen Umständen zu verlassen, schließlich wollen die Leute in Ruhe arbeiten und keinen nervösen Vermieter an ihrer Seite haben. Aufgeregt war ich trotzdem. Jedes Mal, wenn ich ein Geräusch hörte, sprang ich auf und lauschte an der Tür: War da etwas heruntergefallen?

Doch ich hatte mich umsonst gesorgt. Als das Team nach einigen Stunden die Wohnung verließ, sah alles so aus wie vorher. Außer dass mein Kühlschrank ungewöhnlich gut gefüllt war: Man hatte mir nämlich die gesamten Produkte des Shootings dagelassen – von dem Käse, dem Eis und der Milch konnte ich mich die nächsten Tage ernähren. Wer der Hersteller war, darf ich allerdings nicht verraten. In meinen Vertrag war eine Geheimhaltungsklausel eingebaut.

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