Er ist älter als die Republik, kein anderer Abgeordneter ist so lange Mitglied des Parlaments wie Wolfgang Schäuble, seit 1972. Schäuble, heute Bundestagspräsident, gehört zum Mobiliar der Nation. Das gilt auch für seinen Rollstuhl. Fehlt bei einer Veranstaltung vermeintlich ein Stuhl in der ersten Reihe, wissen viele Politiker und Journalisten: Schäuble kommt. Seitdem er 1990 beim Wahlkampf in Baden-Württemberg von einem psychisch kranken Mann niedergeschossen wurde, ist Schäuble querschnittsgelähmt. Nach dem Attentat blieb er Innenminister, später wurde er Fraktionsvorsitzender, CDU-Chef, wieder Innen-, dann Finanzminister. Der Rollstuhl schien immer unwichtiger zu werden, fast hatte man ihn vergessen. Im Herbst 2018, kurz nachdem Angela Merkel angekündigt hatte, auf den Parteivorsitz zu verzichten, traf Schäuble einige Journalisten zu einem Hintergrundgespräch. Als es um die Frage ging, wer auf Merkel folgen werde und ob er, Schäuble, es womöglich machen wolle, sagte er einen Satz, der den Anstoß zu einem Gespräch mit ihm in mehreren Etappen gab.