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In Berlin mit seiner von Spionagestorys nur so strotzenden Vergangenheit wiederholt sich, kaum bemerkt, gerade wieder dieselbe Geschichte.

Adil Öksüz gilt als Schlüsselfigur des Putschversuchs vom 15. Juli 2016, mit dem Erdoğan gestürzt werden sollte. Am Morgen danach war er bei einer Militärbasis festgenommen worden, später wurde er in einer obskuren Operation ins Ausland gebracht. Der türkische Geheimdienst fahndet überall nach ihm. Am 1. Dezember erklärte der türkische Innenminister, man kenne seinen Aufenthaltsort. Auf die Frage, ob er in Deutschland sei, antwortete er: "Das behalten wir für uns."

Am nächsten Tag schrieb ein regierungsnaher Kolumnist, man vermute, Öksüz lebe in einer vom deutschen Bundesnachrichtendienst gesicherten Wohnung.

Letztes Jahr verbreiteten regierungstreue Medien Fotos einer Wohnung in der Friedelstraße in Berlin-Neukölln mit der Behauptung, dort verberge sich Öksüz. Damals erklärte der Innenminister, man habe Deutschland kontaktiert, um die Auslieferung zu erwirken.

Danach gefragt, sagte Präsident Erdoğan, "leider" werde Öksüz von seinem Exilland geschützt, man habe seine Auslieferung unter Nennung seiner Adresse gefordert, doch die sei nicht erfolgt: "Ob unser Innenministerium ihn in einer Operation herbeischaffen wird, sehen wir im Laufe der Zeit."

Aus dem Land gebrachte Putschisten, vom Nachrichtendienst geschützte konspirative Wohnungen, der gegnerische Geheimdienst plant eine Entführung im Ausland ...

Fühlen Sie sich da nicht auch an Agententhriller aus dem Kalten Krieg erinnert?

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe