Jede Woche stellen wir Politikern und Prominenten die stets selben 30 Fragen, um zu erfahren, was sie als politische Menschen ausmacht – und wie sie dazu wurden. Und wo sich neue Fragen ergeben, haken wir nach. Die Nachfragen setzen wir kursiv.

1. Welches Tier ist das politischste?

Alle Tiere sind ein Politikum! Nämlich indem sie Opfer der Hybris der Menschen sind, unserer mangelnden Achtung vor anderen Lebewesen. Der einzige Verein, in dem ich je in meinem Leben Mitglied war, war der "Bund gegen Missbrauch der Tiere". Da war ich noch ein Kind. Seither hat sich einiges geändert, im Bewusstsein der Menschen und in den Gesetzen. Aber die Viehtransporte und die Laborversuche gehen weiter.

Schwarzer im Gebäude der "Emma"-Redaktion in Köln. © Doimnik Asbach/​laif

2. Welcher politische Moment hat Sie geprägt – außer dem Kniefall von Willy Brandt?

Als Angela Merkel die Hand zum Eid hob. Am 22. November 2005.

Wo waren Sie da?

Ich saß oben auf den Besucherrängen, das ZDF hatte mich als Kommentatorin eingeladen. Ich fand es ergreifend: Diese eine Frau da unten, umringt vor allem von Männern. 87 Jahre nach Erringung des Frauenwahlrechts. Endlich! Die erste Kanzlerin. Seither müssen Mädchen in Deutschland nicht mehr nur davon träumen, Friseurin oder Prinzessin zu werden – sie sehen nun leibhaftig, dass sie Kanzlerin werden könnten. Übrigens, ein paar Meter entfernt saß die Familie Merkel. Ich fand erstaunlich, dass die keine Miene verzogen, während ich feuchte Augen hatte. Protestantisch diszipliniert eben. Anschließend haben sie anscheinend Kartoffelsalat gegessen. Ich hätte die Champagnerkorken knallen lassen! Aber ich bin ja auch Rheinländerin.

3. Was ist Ihre erste Erinnerung an Politik?

Das war die Wiederaufrüstung in den 1950er-Jahren. In meiner Familie wurde darüber sehr leidenschaftlich diskutiert. Die Schwarzers fanden, nach dem von Deutschland angezettelten Zweiten Weltkrieg hätten wir unbewaffnet und neutral bleiben sollen. Da waren wir ja nicht die Einzigen.

4. Wann und warum haben Sie wegen Politik geweint?

Nie.

5. Haben Sie eine Überzeugung, die sich mit den gesellschaftlichen Konventionen nicht verträgt?

Sehr viele. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Das ist nicht nur in der Frauenfrage so. Denn ich finde es nicht nötig, mit den Wölfen zu heulen.

6. Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, mächtig zu sein?

Ich gehöre ja noch zu der Protestgeneration, die Mächtigen gerne auf die Füße getreten hat. Im Zuge des "Ich habe abgetrieben"-Aufstandes, den ich angezettelt hatte, fand irgendwann 1971 eine Livesendung im Fernsehen statt. Ich saß mit mehreren Feministinnen im Publikum. Und vorne diskutierten eine Reihe hochwichtiger Herren, vom Gynäkologen bis zum Bevölkerungswissenschaftler. Nur Männer. Da bin ich dann mit einer anderen Frau nach vorne gegangen, habe dem Moderator das Mikrofon aus der Hand genommen und gesagt: Schluss, jetzt reden wir! Ich sah mich da stehen und dachte: Schick, so einfach ist das.

7. Und wann haben Sie sich besonders ohnmächtig gefühlt?

In der Pornografiedebatte. Damit wir uns recht verstehen: Unter Pornografie verstehe ich nicht nackte Haut oder Sex, sondern die Verknüpfung von sexuellem Begehren mit der Lust an Erniedrigung und Gewalt. Emma hatte 1988 mal wieder einen neuen Vorstoß gemacht, die PorNO-Kampagne. Und da war ich eingeladen beim SFB zu einer Diskussion mit einer linken Professorin, die war etwa zehn Jahre älter als ich und im Existenzialismus stecken geblieben. Was dabei eine Rolle spielte. Wir stritten, und dann sagte sie: Also, ich finde Pornografie geil! Abgesehen von der Obszönität dieser Aussage war ganz klar, dass sie sich anbiedern wollte bei den Männern. Zu spät. Ich fand das so tragisch, dass es mir die Sprache verschlagen hat.

8. Wenn die Welt in einem Jahr untergeht – was wäre bis dahin Ihre Aufgabe? Sie dürfen allerdings keinen Apfelbaum pflanzen.

Ich würde genauso weitermachen wie jetzt. Vielleicht ein bisschen den Fuß vom Gas nehmen.

9. Sind Sie lieber dafür oder dagegen?

Es ist spannender, dagegen zu sein, natürlich. Aber eigentlich bin ich ein harmoniesüchtiger Mensch und bin gerne auch dafür.

Sie sind wirklich harmoniesüchtig?

Na ja, harmoniesüchtig ist vielleicht das falsche Wort. Aber ich mag Menschen und freue mich über Gemeinsamkeiten. Wenn es sein muss, mache ich mich allerdings auch unbeliebt. Manchmal sogar gerne.