Es sind dramatische Zahlen, die in der neuen Shell-Jugendstudie stehen. Für nur 39 Prozent der katholischen und 24 Prozent der evangelischen Jugendlichen ist der Glaube überhaupt noch wichtig. Wohlgemerkt nicht der spezifisch katholische oder spezifisch evangelische Glaube, sondern der nicht genauer bestimmte ganz allgemeine Glaube an einen Gott.

Zahlen, die sich in den letzten 20 Jahren in schnellem Tempo immer mehr verringert haben. Die Jugend glaubt mehrheitlich nicht mehr.

Was es bedeutet, wenn große Teile einer Bevölkerung nicht mehr an Gott glauben, sollten wir in Deutschland doch am besten wissen. Der ehemals sozialistisch regierte Osten gehört zu den ungläubigsten Flecken Erde – eine Gegend, wo die Kirchen auch dreißig Jahre nach dem Mauerfall kaum einen Fuß auf den Boden bekommen. Das Christentum ist dort ein Nischenphänomen.

Die ostdeutsche Realität könnte eine gesamtdeutsche werden. Denn wenn man mit der Jugend von heute eine ganze Generation für den Gottesglauben verliert, dann hat man auch bald eine ganze kommende Elterngeneration verloren, die den Glauben weitergeben könnte, ihre Kinder taufen lassen könnte, sie zur Kommunion, Konfirmation oder Firmung schicken könnte. Dann ist es aus.

Angesichts dieser doch so offensichtlichen Bedrohung wundert es mich, dass die Kirchen über nahezu alles diskutieren, aber kaum über den radikalen Umbau ihrer Jugendarbeit. Da wird ein bisschen ausprobiert, hier und dort sogar Innovatives gestartet, aber die Revolution bleibt aus, weil alle glauben, sie würden schon gute Arbeit für junge Menschen anbieten. Egal mit wem man spricht, stets wird einem stolz berichtet, was in der Kirche alles Tolles für und mit der Jugend gemacht wird. Super intensive Konfirmandenarbeit, spannende Jugendzeltlager, Ministrantenwallfahrten, liturgische Nächte, Weltjugendtage, ach so gute Gespräche, Lichtshows, Anbetungsevents und wundervolle Jugendgottesdienste. Nur eines bleibt wahr, trotz all dieser Aktivitäten, trotz all der schönen Geschichten über erfolgreiche Arbeit mit jungen Menschen, allem persönlichen Erfolg und aller eigenen biografischen Erfahrung in der Jugendarbeit: Die Zahl der Jugendlichen, die in die Kirche hinein getauft werden und dann einen eigenen Gottesglauben entwickeln, sinkt und sinkt und sinkt.

Es braucht einen neuen Gedanken. Einen, der neben all dem, was wir schon in der Jugendarbeit leisten und nicht aufgeben sollten, eine weitere Säule aktiver Missionsarbeit etabliert. Wir müssen auf Masse setzen und so all das Gute in der Jugendarbeit mit einer solchen Wuchtigkeit ergänzen, dass die Kurve wieder aufwärtsgeht.

Ein solcher Gedanke könnte sein: Rund vier Millionen junge Menschen besuchen in Deutschland noch den evangelischen und katholischen Religionsunterricht in der Schule. Offenbar ist dieser aber nicht geeignet, Jugendliche mehrheitlich vom Gottesglauben zu überzeugen, sonst wären die Zahlen andere. Dennoch, durch keine andere Form des Kontaktes mit Jugendlichen erreicht die Kirche mehr junge Menschen als durch diesen Unterricht.

Dementsprechend gilt es, an den Religionsunterricht etwas anzubauen, was verpflichtend ist und dafür sorgt, dass diese vier Millionen jungen Menschen, die in Deutschland den Religionsunterricht besuchen, eine über den schulischen Unterricht hinausgehende religiöse Erfahrung machen, die sie mit Gott und Glaube in Verbindung bringt.