Zukünftige Lehrer sollten an einer Akademie ausgebildet werden – und von Anfang an unterrichten.

Berufseinstieg

Würden alle diejenigen, die ein Lehramtsstudium beginnen, tatsächlich einmal in den Klassenzimmern landen, gäbe es ein riesiges Gedränge – und der Lehrermangel an Deutschlands Schulen hätte sich erledigt. Ein wenig realistisches Szenario, denn zwischen Hörsaal und Lehrerzimmer gehen jede Menge Lehrer in spe verloren. Warum also brechen angehende Lehrer ihr Studium ab? Dafür gibt zwei besonders gewichtige Gründe: 1. Weil Erwartung und Studienrealität nur wenig übereinstimmen. Ambitionierte junge Leute ziehen aus, um Lehrer zu werden, stattdessen landen sie an Universitäten, die sie zu Wissenschaftlern machen wollen. Folgerichtig sind 2. die Abläufe des Studiums nur wenig auf die Bedürfnisse der angehenden Lehrkräfte ausgerichtet. Aus beidem ergibt sich dann ein Studium, das an Praxisferne kaum zu überbieten und zudem ein organisatorisches Desaster ist. Wer es dennoch durchsteht, erleidet häufig einen Praxisschock. Wenn er nämlich nach fünf bis sechs Jahren Studium erstmalig länger als für ein kurzes Praktikum vor einer Klasse steht. Immerhin nach einer unfreiwilligen Auszeit gut erholt, da der Anschluss von Universität zum Referendariat häufig nicht nahtlos klappt.

All diese Probleme sind so alt wie die universitäre Lehrerbildung selbst. Eine grundsätzliche Reform ist deshalb dringend notwendig.

Wir schlagen vor, zusätzlich zu den bestehenden Systemen staatliche Lehrerbildungsakademien zu gründen. Da wir praktisches Können für Lehrer für ebenso wichtig halten wie theoretisches Wissen, wäre das Lehrerbildungsstudium an diesen Akademien dual organisiert. Theorie und Praxis hätten gleiche Anteile, die ineinander verschränkt wären. Damit würde die künstliche und unproduktive Trennung zwischen erster und zweiter Phase der Lehrerbildung aufgehoben. Hierdurch könnten die Lehrer von morgen theoretisches Wissen erwerben und zeitnah in der Praxis anwenden sowie ihre Erfahrungen umgekehrt wieder theoretisch reflektieren. Erst die Verinnerlichung dieses Wissens durch praktische Lernerfahrungen kann jene Haltung erzeugen, die gelingende pädagogische Beziehungen ermöglicht. Nach fünf Jahren Studium wären die Absolventen bereit für den Berufseinstieg zum Beispiel an Grund- und Förderschulen – und nicht wie heute erst nach sieben bis acht Jahren.

Für diese Verschränkung von Theorie und Praxis wäre es wichtig, die Studienjahre dieser Hochschule an die Schuljahre anzupassen. So würden aus circa 30 Studienwochen pro Jahr, wie sie an den Universitäten üblich sind, 40, womit mehr Zeit für akademischen Unterricht bliebe. Zudem hätten angehende Lehrer nahtlose Übergänge von der Schule in die Akademie und wieder in die Schule zurück.

Das Personal müsste ebenso aus hochkarätigen Wissenschaftlern wie aus erfahrenen Lehrern bestehen. Die Besoldungsstufen W3 und A14 sowie eine geringere Lehrverpflichtung gleichen die höhere Anzahl von Studienwochen aus. Eine Verbeamtung der Lehrer von morgen vom ersten Tag des Studiums an sichert zudem die besten Studienbewerber. Warum sollten sie schlechter behandelt werden als Polizisten und Steuerbeamte?

Das klingt nach einer teuren Angelegenheit? Irrtum. Die Besoldung der Lehramtsstudenten gibt es für lau. Setzt man sie nämlich in jedem Jahr durchschnittlich mit zehn Stunden im Unterricht ein, finanziert sich die Besoldung im Rahmen bestehender Stellenpläne und Personalkostenbudgets von selbst. Das hätte noch einen weiteren Vorteil: Ab dem ersten Jahr wird in diesem System der Lehrermangel reduziert. Und mit jedem Jahr würden mehr angehende Lehrer als Lernhelfer hinzukommen. Die laufenden Kosten der Lehrerbildungsakademien ließen sich aus den üppig sprudelnden Einnahmen des Hochschulpaktes finanzieren – ohne zusätzliche Belastung für die Länder.

Und was wird aus den Universitäten? Ganz einfach: Sie könnten sich beruhigt zurücklehnen und die Neuen beobachten. Und, so unsere Hypothese, irgendwann sogar von ihnen lernen.