An schierer Körpergröße überragte er sie alle mit seinen zwei Meter eins. Historisch war er von ebenso mächtiger Statur – als Inflationskiller in der Ära Jimmy Carter. Als Paul Volcker 1979 den Posten als Chef der Fed, der US-Zentralbank, übernahm, lag die Geldentwertung mit zwölf Prozent sehr hoch. Unter Carter halbierte sich die Kaufkraft des Dollar zu Hause wie auch sein Außenwert gegenüber anderen Währungen.

Auftritt Volcker, der bloß Carters zweite Wahl gewesen war. In einer Pressekonferenz, die noch kein Fed-Chef je abgehalten hatte, verkündete "Buddy", so sein Spitzname, eine Revolution der Geldpolitik. Traditionell hatte die Fed nur den Leitzins festgesetzt, um die Inflation abzuwehren. Volcker aber gedachte die Menge des Geldes, das die Zentralbank zur Verfügung stellte, zu reduzieren. Das bedeutete, dass die Märkte, nicht die Fed, nun den Zins bestimmten.

Doch die Märkte überreagierten, was Volcker nicht erwartet hatte. Die Prime Rate (der Zinssatz für erstklassige Adressen) verdoppelte sich und stand am Wahltag 1980 bei 21,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit schoss auf elf Prozent hoch. Jimmy Carter, ein Amateur in Helmut Schmidts Augen, verlor haushoch gegen Ronald Reagan. Carter erinnerte sich: "Unsere Angst vor Volcker war gerechtfertigt gewesen."

Aber die Brutalo-Kur wirkte. Das Fieber fiel; seitdem ist das Schreckgespenst der Inflation verschwunden. Heute beträgt sie etwa zwei Prozent. Abgesehen von drei kurzen Rezessionen blieb die amerikanische Wirtschaft auf Wachstumskurs. Nach Volckers Tod am Sonntag bescheinigte ihm Jimmy Carter, er habe "das Richtige getan".

Inzwischen streiten sich die Ökonomen, ob man allein Volcker das Wunderwerk zuschreiben könne. Sie verweisen auf den weltweiten Inflationsverfall seit den beiden Ölkrisen der Siebzigerjahre, die den Ölpreis verzwölffacht hatten. Der ist längst auf ein erträgliches Maß geschrumpft. Andere nennen die rapide Globalisierung als Grund, die den Weltmarkt mit billigen Produkten versorgt und so den Preis- und Lohndruck in den Industrieländern bremst. Jedenfalls hat die billionenfache Geldvermehrung durch die Fed und die EZB seit der Finanzkrise das Preisfeuer nicht wieder angefacht.

"Buddy", der vor 32 Jahren den Fed-Vorsitz abgab, durfte es egal sein. Den Drachen der Inflation hatte er damals getötet, dieser Siegfried der Geldpolitik. Seine heutigen Kollegen, die Herren der Geldflut, dürfen sich nun den Kopf darüber zerbrechen, was sie denn in der nächsten Rezession tun können. Geld noch weiter zu verbilligen geht nicht mehr.

Volcker warnte schon vor zehn Jahren vor "Spekulationsexzessen", die mit Nullzinsen einhergingen – so "notwendig sie (damals) auch sein mochten".

Volcker wurde 1927 als Sohn eines Beamten geboren. Studiert hat er in Princeton und Harvard. Nach seiner Fed-Zeit machte er ein Vermögen an der Wall Street. Zwischendurch gelang es ihm als Mediator, Schweizer Banken zu erweichen, die Einlagen von Holocaust-Opfern zu restituieren. Sie weigerten sich zunächst zäh, zahlten aber schließlich 1,25 Milliarden Dollar. Seine Abneigung gegen Banker jeder Art hat Volcker nie abgelegt. Er hielt sie für gierige Freibeuter, berichtet die New York Times, die Risiken nur eingingen, wenn sie diese auf die Allgemeinheit abwälzen konnten.

Volcker starb am Sonntag in New York im Alter von 92 Jahren.