Bäcker backen bekanntlich nicht nur Brot, sondern auch Brötchen – bisweilen recht kleine zwar, dafür aber sehr viele. Und genau das ist das Problem, das in den vergangenen Tagen zur einer lebhaften Debatte führte. Darüber nämlich, ob sie zu jedem kleinen Brötchen, das sie über die Theke reichen, künftig auch einen Kassenbon dazugeben müssen. So plant es der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Bemerkenswert ist die jüngste Reaktion von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf den Vorstoß. Um die eigentlich zum Jahreswechsel in Kraft tretende Bon-Pflicht noch abzuwenden, schrieb er seinem Regierungskollegen nun einen Brief. Darin merkte er der Deutschen Presse-Agentur zufolge an, dass eine Pflicht zur Ausgabe von Kassenbons für Mini-Beträge die Umwelt wohl übermäßig stark belaste: Die häufig auf Thermopapier gedruckten Kassenzettel würden schließlich zu Milliarden "direkt im Müll" landen.

Es ist schon bemerkenswert, dass der Wirtschaftsminister ausgerechnet an dieser Stelle sein Herz für die Umwelt entdeckt. Das immerhin verbindet ihn mit den Bäckern. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat schon im November die Bon-Pflicht kritisiert und vor "völlig überflüssigen Müllbergen" gewarnt. Und dann hat er genau vorgerechnet, was der Erde alles zugemutet werden solle: "Bei vorsichtiger Schätzung und der Annahme, dass ein Durchschnittsbon rund 20 Zentimeter lang ist", ermittelt die Bäckerlobby bei jährlich gut "fünf Milliarden Bons" eine Gesamtlänge, die in etwa "dem 25-fachen Erdumfang oder der zweieinhalbfachen Wegstrecke Erde–Mond" entspricht. Man möchte dem Planeten das ganze Elend wirklich gerne ersparen, so gebeutelt wie er ohnehin schon ist. Wenn, ja wenn. Wenn es wirklich darum ginge.

Man hätte durchaus und mit guten Gründen mehr über Bürokratie, Kosten und andere Aspekte der Bon-Pflicht für Minibeträge sprechen können. Man hätte über technische Alternativen diskutieren können. Aber wenn man nur laut genug "Umweltschutz!" und "Müllberge!" ruft, diesen Eindruck muss man haben, gewinnt sich eine Debatte dieser Tage deutlich leichter. Dabei soll die Bon-Pflicht ja eigentlich weder die Bäcker gängeln noch die Umwelt zumüllen, sondern kleine Transaktionen erfassbar machen, um Steuerhinterziehung zu erschweren. Darum geht es.

Das Prinzip kennt man schon aus Griechenland. Noch bevor das Land in die Finanzkrise schlitterte, hatte es mit einer Bon-Pflicht (allerdings eher halbherzig) versucht, viele schwarz arbeitende Gastwirte und Kleinsthändler zu etwas mehr Steuerehrlichkeit zu motivieren. Denn lange war es eher unüblich, im Restaurant eine Quittung zu bekommen, was dem Gastronomen eine gewisse Gestaltungsfreiheit bei der Abführung der Mehrwertsteuer einräumte. Die bekam später zunächst der griechische Fiskus zu spüren. Noch später, als das Land finanziell gerettet werden musste, begannen sich auch die internationalen Geldgeber dafür zu interessieren. Eine Bon-Pflicht war nicht Teil der Griechenland-Rettung. Es ist nicht bekannt, ob Deutschland bei der Verhandlung der Rettungspakete darauf gedrängt hatte, die griechischen Gastwirte aus Umweltschutzgründen davon zu befreien. Es ist zu vermuten, dass den Geberländern die Sicherstellung der Mehrwertsteuereinnahmen um einiges wichtiger gewesen war als die Senkung der Bon-bedingten Müllmenge.