Neun Ingenieure arbeiten in der Werkshalle der Firma ME Energy im brandenburgischen Wildau an der Mobilitätswende. Seit Monaten arbeiten sie an ihrer Ladesäule für elektrische emissionsfreie Fahrzeuge. Im Moment leisten zwar noch die Zimmerpflanzen den größten Beitrag zur sauberen Luft – denn die Ladesäule ist noch nicht serienreif. "Aber das ist nur eine Frage von Monaten", sagt Alexander Sohl, 29 Jahre alt und einer der beiden Gründer des Start-ups. Dann öffnet er die Verkleidung der Säule, um nebenbei auch das Innere seiner Firma zu erklären.

2021, so der Plan, sollen von hier bis zu hundert Ladesäulen im Jahr gefertigt werden; ein Exemplar kostet ab 95.000 Euro. Fahrzeuge wie der Tesla, der Renault Zoe und der Audi e-tron – sie alle ließen sich dann mithilfe von Methanol, einem Abfallprodukt der chemischen Industrie, aufladen. Die Ladesäule kann man dabei als eine Art Mini-Kraftwerk verstehen, das seinen eigenen Strom produziert. Die ersten Bestellungen seien schon da, erzählt Sohl, von Stadtwerken und von Firmen mit größeren Fuhrparks. Noch länger fest steht aber der wichtigste finanzielle Förderer: das Land Brandenburg.

Ein Jahr ist es her, dass sich ME Energy ins Handelsregister hat eintragen lassen. Und mit der Aufbruchstimmung passt das Start-up zu einer Entwicklung, die es so in Ostdeutschland lange nicht gegeben hat. Ihr vorläufiger Höhepunkt: die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk im November, im brandenburgischen Grünheide ein Werk zu bauen, in dem bis zu 10.000 Mitarbeiter arbeiten sollen. Es soll bei Berlin entstehen, hieß es dann überall, und das stimmte ja auch. Aber es stünde eben auch in Brandenburg. Im Osten. Und selbst wenn man Musks Ansiedlungsplänen nicht traut, fällt die Suche nach ähnlichen Vorhaben nicht schwer. Im Osten ging es in den letzten Monaten zur Abwechslung auch mal um Millionen Euro, die kommen sollen – und nicht nur um die Millionen, die gehen. Das liegt auch an der Mobilitätswende, bei der sich allmählich etwas tut.

Der amerikanische Batteriehersteller Farasis zum Beispiel will in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt ein Werk mit Hunderten Mitarbeitern bauen; 600 Millionen Euro sollen investiert werden. Tesvolt, ein Batteriehersteller aus Lutherstadt Wittenberg, verdoppelt seit 2015 jedes Jahr die Zahl seiner Mitarbeiter – im Moment sind es knapp hundert. In Zeitz will der niederländische Konzern AMG eine Raffinerie errichten, in der Lithium für den Batteriebau aufbereitet wird. Accumotive, ebenfalls Batteriehersteller und eine Tochter von Daimler, baut im sächsischen Kamenz seine Produktion Jahr für Jahr im Eiltempo aus.

Sicher, auch zwischen Bodensee und Nordsee passiert viel im Bereich der E-Mobilität. Erst im Sommer beschloss das Bundesforschungsministerium, in Münster die "Forschungsfertigung Batteriezelle" zu bauen. Aber gerade im Osten, wo sich die Wirtschaft nach der Wende nur schwerlich aufbäumen konnte, ist die Signalwirkung solcher Entwicklungen nicht zu unterschätzen.

Zwar ist die Arbeitslosenquote heute im Osten vielerorts so niedrig wie nie seit dem Mauerfall. Die großen Investoren und Konzerne fehlen aber auch nach 30 Jahren. Kein Ost-Unternehmen gehört zum Börsenleitindex Dax 30. Und mit dem nahenden Ende der Braunkohle in der Lausitz werden auf der anderen Seite der Energiewende Jobs wegfallen.

Von der wachsenden Bedeutung der Elektromobilität könnte der Osten also nicht nur ökonomisch profitieren. Die Vorstellung, an einem der großen Zukunftsthemen mitzuwirken, dürfte auch eine immaterielle Genugtuung sein.