Rolf Zuckowski und Gerhard Schöne stehen im Kochstudio Ratatouille in Berlin, sie tragen Schürzen. Vor ihnen: Eier, Streusel, Mehl. Die beiden sollen backen – und nebenbei plaudern. Für Zuckowski, 72, ist es das erste Mal, dass er selber Plätzchen macht. Und das, obwohl die "Weihnachtsbäckerei" eines seiner bekanntesten Lieder ist. Fans und Eltern hätte die fehlende Expertise auffallen können: Auf keiner Zutatenliste für Weihnachtskekse findet sich die im Lied besungene Milch. Auch Gerhard Schöne, 67, gibt zu bedenken, dass er lieber Teig nascht, als ihn auszurollen.

DIE ZEIT: Herr Zuckowski, wir haben gehört, dass Sie noch nie Plätzchen gebacken haben. Stimmt das?

Rolf Zuckowski: Ja. Ich habe noch nie selber Plätzchen gebacken, obwohl eines meiner berühmtesten Lieder davon handelt. Der Grund dafür ist ganz profan: Unsere Küche ist so eng, dass man nicht mit mehr als drei Personen drin stehen kann. Ich steche gerne Plätzchen aus. Aber ich habe noch nie einen Teig zusammengerührt. Und das Dekorieren beherrschen Kinder sowieso besser.

ZEIT: Wie haben Sie denn dann Ihre Weihnachtsbäckerei komponiert?

Zuckowski: Das Lied entstand zur besten Weihnachtsbäckerzeit, an einem Adventsabend. Ich war auf einem Konzert in Bochum gewesen. Danach habe ich vom Parkplatz aus mit einem Autotelefon meine Familie angerufen. Ich hörte schon am Geklapper, dass gebacken wird. Auf der Heimfahrt habe ich begonnen, mir das Lied zusammenzureimen. Als ich zu Hause ankam, waren die Plätzchen fertig. Und die Weihnachtsbäckerei auch. Ich habe das dann in der Küche uraufgeführt.

ZEIT: Sie beide haben Generationen von Kindern unterhalten und beeinflusst. Sie, Herr Schöne, zunächst in der DDR – und Sie, Herr Zuckowski, im Westen. Wann haben Sie erstmals Notiz voneinander genommen?

Gerhard Schöne: Ich habe Rolf im Westfernsehen gesehen, als er mit viel Charme und umringt von Kindern Und ganz doll mich gesungen hat. Der Text ist ein bisschen keck. Das gefiel mir. Von den Zeilen konnte ich mir vorstellen, dass sich Kinder darin gut wiederfinden.

Zuckowski: Ich hatte in den Achtzigerjahren zwei Radiosendungen. Eine namens Moment mal bei Radio Luxemburg – und Mikado beim NDR. Ich wollte nicht nur meine eigenen Kinderlieder spielen und bin auf Frank Schöbel, Reinhard Lakomy und Gerhard Schöne gestoßen. Tolle Musiker, alle aus der DDR.

ZEIT: Welches Lied hat Ihnen besonders gefallen?

Zuckowski: Gerhards bekanntestes Kinderlied ist sicher Jule wäscht sich nie, daran kommt man nicht vorbei, wenn man Kinderfunk macht. Es ist lustig, aber hat wie immer einen tieferen Sinn. Für Erwachsene gefiel mir Spar deinen Wein nicht auf für morgen, ein Carpe-Diem-Lied.

ZEIT: Wollen die Kinder in Ost und West heute noch verschiedene Lieder hören?

Schöne: Nein. Als ich im Westen auftrat, merkte ich keinen Unterschied zu den Kindern im Osten. Beim Programm für Erwachsene dagegen schon. Etwa bei meinem Lied, in dem ein Engel vom Weihnachtsbaum wegfliegt und sich über Bitterfeld erbricht. Das hätte ich im Westen erklären müssen.