Wenn man ein Hühnerei kocht und schält, dann sieht man am stumpfen Ende die kleine Luftkammer zwischen den zwei Membranen unter der Eierschale. Diese Kammer entsteht nach dem Legen, wenn sich das Innere des Eis zusammenzieht und dabei die beiden Membranen voneinander trennt.

Die Entwicklung des Hühnerembryos dauert drei Wochen, und er braucht erheblich mehr Sauerstoff für seinen Stoffwechsel, als in der kleinen Kammer steckt. Außerdem muss der Embryo das Abfallprodukt dieses Stoffwechsels loswerden, Kohlendioxid.

Ähnlich wie ein menschlicher Fötus holt das sich entwickelnde Küken im Ei nicht Luft. Anders als bei Säugetieren, die in diesem Stadium durch die Nabelschnur über den Blutkreislauf der Mutter versorgt werden, ist die Henne nicht mit ihrem Ei verbunden – wie bekommt das ungeborene Küken Sauerstoff?

Es ist umhüllt von einer stark durchbluteten Eihaut. Diese kann Sauerstoff aufnehmen und CO₂ abgeben. Die Eierschale ist dank mehrerer Tausend kleiner Poren durchlässig für Gase. Nicht nur Kohlendioxid, auch Wasserdampf entweicht auf diese Weise, das Ei trocknet gleichsam aus – und die Luftkammer wird größer.

Seine große Rolle beginnt der Luftsack etwa am 19. Tag der Entwicklung des Kükens zu spielen. Denn dann durchbricht das Hühnchen mit seinem Schnabel die innere Membran und atmet nun tatsächlich durch seine Lungen das Gas aus der erheblich gewachsenen Luftkammer, die nun etwa 15 Prozent des Eivolumens ausmacht. Das reicht für etwa zwei Tage, aber in dieser Zeit wird die Luft immer schlechter.

Der steigende CO₂-Gehalt ist eine Art Schlüpfsignal für das Küken. Seine Nackenmuskeln ziehen sich zusammen, und schließlich durchstößt es mit seinem Eizahn die harte Schale.

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