"Wenn solche wie du entschieden zu kurz gehn, dann gehn eben andre ein bisschen zu weit", sang einst Wolf Biermann in seiner "Ballade für einen wirklich tief besorgten Freund". Ziemlich weit gegangen sind die katholischen Jugendverbände im Erzbistum Köln.

Der Kölner Ableger des BDKJ – des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend – wollte nicht länger tatenlos zusehen, wie sich seine Reihen immer mehr lichten und der Nachwuchs ausbleibt. Eine Imagekampagne musste her, die auch kirchenferne, gar kirchenkritische junge Menschen anspricht.

Unter dem Titel: "katholisch + anders als du denkst" veröffentlichten sie Slogans wie: "Wenn ich groß bin, werde ich Papst" oder "Und sie folgten einem leuchtendem Genderstar". Der Gipfel der Provokation: "Bei uns entscheidet die Demokratie und nicht der Papst". Geschlechtergerechtigkeit, Machtmissbrauch, veraltete Hierarchien – all die Themen, die die katholische Kirche durcheinanderwirbeln, auf wenige zugespitzte Sprüche zu reduzieren, das musste ja für Aufruhr sorgen.

Die Antwort des Kölner Generalvikars Markus Hofmann ließ nicht lange auf sich warten. Gegenüber dem Kölner Domradio sagte er: "Es ist offensichtlich, dass vieles, was da formuliert wurde, in krassem Widerspruch steht zu dem, was wir als Katholiken glauben. Ich sehe hier großen Gesprächsbedarf. Will jemand ernsthaft behaupten, dass der Glaube an Christus mit diesen Sprüchen besser verständlich, leichter zugänglich wird? Ich jedenfalls vermag das nicht zu erkennen und distanziere mich von dieser Kampagne." Aber er gab sich auch versöhnlich: "Alle jungen Katholikinnen und Katholiken will ich aber ermutigen: Suchen wir gemeinsam nach neuen Wegen zu Christus! Provokation und Polemik gibt es in der Kirche schon genug." Schärfer hatte der Neusser Pfarrer und BDKJ-Präses Norbert Fink die Kampagne verurteilt, der Jugend gar Häresie und Irrlehren vorgeworfen. Der Genderstern widerspreche seinem christlichen Menschenbild, wonach Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen habe.

Immerhin: Man kann darüber streiten, ob der Spruch: "Ausschlafen ist meine Sonntagspflicht" hilfreich ist, wenn es um den ohnehin schon dürftig besuchten Morgengottesdienst geht. Einer der Mitinitiatoren der Kampagne, der Diözesanvorsitzende Volker Andres, verwies darauf, dass sich Jugendliche oft Gottesdienste zu späteren Tageszeiten aussuchen, ihrer Lebenswirklichkeit eher entsprechend. "Wir sagen, was wir wollen, und gestalten mutig die Kirche von morgen", heißt es auf der Website des BDKJ: "Wir nehmen uns die Freiheit, zu denken und zu fordern, was wir aus unserem christlichen Glauben heraus für richtig halten." Das klingt mutig – und nicht typisch katholisch.

Es ist jedenfalls nicht mehr das alte Sandkastenspiel, in dem die Kirchenoberen ihren Früchtchen die Förmchen vorgeben können. Ein Reförmsche, wie der Kölner sagt, sollte schon dabei herausspringen.

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