Plagte den Philosophen Konfuzius ein Reizdarm? Wir wissen es nicht, werden seinen Rat aber noch benötigen. Schließlich geht es genau darum: um das Reizdarmsyndrom. Ein Leser aus Ostfriesland hat mir eine Arzneimittelwerbung zugespielt, in der ein älterer Mann sagt: "Meine Darmbeschwerden sind wie weg – mit dem neuen Kijimea Reizdarm PRO". Was wir nun untersuchen werden. Sprachlich, nicht medizinisch. Anders als Ärzte üben Journalisten nur gelegentlich einen Heilberuf aus, etwa wenn sie bei Unwohlsein erzeugenden Werbeaussagen Linderung verschaffen.

Der Werbesenior gibt an, seine Beschwerden seien "wie weg". Wie immer bei Werbung dürfte das Wort für Wort geplant worden sein. Warum also verzichtet der Mann nicht auf das "wie" und sagt einfach "Meine Beschwerden sind weg"?

"Wie weg" ist eine Sub-Phrase aus der "Kann helfen"-Kategorie gesundheitsbezogener Aussagen. "Kann" heißt stets auch "Kann nicht" (das hatten wir hier neulich). "Wie weg" ist schlimmer, weil das Hinzufügen von "wie" nur Sinn ergibt, wenn es einen inhaltlichen Unterschied zum reinen "weg" machen würde. Da man die Frage, ob Beschwerden "weg", also verschwunden seien, nur mit Ja oder Nein beantworten kann, ein Ja aber ausscheidet, kann die Antwort nur Nein lauten. "Wie weg" heißt somit eben nicht "weg", sondern "noch da". Stellen Sie sich einfach vor, im Wald würde Sie ein Bär angreifen. Machten Sie dann die Augen zu, wäre der Bär "wie weg". Mittelfristig werden Sie den Unterschied erkennen.

Zugegeben: Mit "Meine Beschwerden sind noch da" ließe sich kein Medikament verkaufen. "Sie sind fast weg" wäre besser, provoziert jedoch den Einwand einer zu schwachen Dosierung. Das alles ahnte wohl Konfuzius, der, wenn nicht unter Reizdarm, dann doch vermutlich unter anderen Beschwerden litt: Das Weg ist das Ziel.