Dennis Thering, CDU

Wer regelmäßig die Aussagen Dennis Therings in der Zeitung liest, kann den Eindruck gewinnen, dass der Hamburger Verkehr eine einzige Katastrophe ist: "Hamburg versinkt im Stau und ist nun sogar Stauhauptstadt Deutschlands." – "Hamburgs Hauptbahnhof ist überlastet." – "Das S-Bahn-Chaos in Hamburg ist schon lange nicht mehr hinnehmbar." Wer den Mann der markigen Worte trifft, erlebt eine Überraschung. Der verkehrspolitische Sprecher ist nicht verbittert, sondern ein eloquenter Politiker, der sagt: "Als Oppositionspolitiker gehört es dazu, den Finger in die Wunde zu legen. Das habe ich in den vergangenen Jahren getan."

Das klingt logisch. Es ist dennoch delikat, weil der 34 Jahre alte Angriffspolitiker der CDU ausgerechnet jetzt, kurz vor der Wahl, in einen Richtungswandel innerhalb seiner eigenen Partei geraten ist. Ihr Spitzenkandidat Marcus Weinberg will die CDU befreien vom Image der Autofahrerlobbyisten. Er will sie als Großstadtpartei aufstellen, die in Koalitionsgesprächen mit der SPD und den Grünen keine unumstößlichen Hindernisse auftürmen würde.

Für Dennis Thering, der jahrelang gegen die rot-grüne Senatspolitik gewettert hat, könnte das bedrohlich wirken. Tut es aber nicht. "Das ist doch der normale Lauf: Ich habe vier Jahre lang den Senat kritisiert und gleichzeitig aber auch Alternativen aufgezeigt, jetzt geht es primär um Lösungen, die wir erdacht haben und präsentieren werden", sagt er. Während andere im Wahlkampf auf Attacke schalten, nimmt sich Thering zurück. Er plädiert nun dafür, parkende Autos von den Straßen zu bringen, will unterirdischen Parkraum schaffen und eine Straßenbahn in Altona ermöglichen. Für den Wahlkampf hat sich der kaufmännische Angestellte unbezahlten Urlaub genommen – damit er viel Zeit dafür hat, in seinem Wahlkreis Alstertal-Walddörfer von Haustür zu Haustür zu gehen und die Wähler zu überzeugen.