Mats Borgwardt, SPD

Ist das die Zukunft der SPD: Ein Kandidat, der, wie er sagt, mit seinem "ersten selbst verdienten Geld" ein Restaurant gegründet hat? Der in London studiert hat, an der renommierten London School of Economics, und danach in New York? Der 33 Jahre jung ist und gemeinsam mit seinem Vater schon ein kleines Immobilienimperium besitzt? Es wäre eine überraschend linke Zukunft. Mats Borgwardt, Immobilienunternehmer und Restaurantbesitzer, will den Hamburger Drittelmix für den sozialen Wohnungsbau abschaffen. Fünfzig Prozent Sozialwohnungen, das müsse möglich sein, findet er. In seinem eigenen Bestand seien vier von fünf Wohnungen Sozialwohnungen. Außerdem, findet Borgwardt, sollten private Wohnungsunternehmer wie er nur noch dann öffentliches Bauland angeboten bekommen, wenn die städtische Saga und die Baugenossenschaften nicht interessiert sind. Bislang gelten solche Forderungen in der Hamburger Politik als utopisch – nun werden sie mit der Autorität eines SPD-Kandidaten und erfolgreichen Unternehmers vorgetragen.

Borgwardt kandidiert im Kerngebiet von Altona. Hier ist er aufgewachsen, hier ist er vor zehn Jahren in die SPD eingetreten, wie es sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater vor ihm getan haben. Hier hat er in einer Kampfkandidatur, wie er sagt, einen etablierten Genossen verdrängt. Und hier will er nun klassischen Haustürwahlkampf machen. Allerdings hat er sich auch eine ansehnliche Internetseite eingerichtet, und es dürfte ihm helfen, dass Freunde aus der Medienbranche einen Werbefilm für ihn drehen. Ottensen, Sternschanze, Altona-Altstadt – das ist inzwischen ein grünes Revier. Borgwardt will es zurückerobern. Sein Widersacher im Wahlkampf wird einer der prominentesten Grünen sein, der Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft, Anjes Tjarks. Er selbst habe praktisch keine Chance, glaubt Borgwardt. Aber die Sache mache ihm Spaß.