Die Umnutzung nicht mehr benötigter Kirchen ist ein Thema, das die Menschen umtreibt, auch dann, wenn sie durch ihr Fernbleiben maßgeblich dazu beitragen, dass die Gotteshäuser leer sind. "Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung" meldete, dass die ehemalige Kirche St. Elisabeth in Gladbeck-Ellinghorst, erbaut 1961, nun endlich einen Käufer gefunden hat.

Der Diözanbaumeister Thomas Tebruck ist nicht überzeugt, dass dem Architekten Otto Spengler mit dieser geklinkerten Trutzburg ein kreativer Entwurf gelungen ist. Er verwies auf die im Ruhrgebiet häufig vorhandenen Chorturmkirchen.

Seine Intention war klar: Solange der Denkmalschutz das Gebäude für erhaltenswert erachtet, sind bauliche Veränderungen nur unter strengsten Auflagen erlaubt. Dann finden sich kaum Käufer. Doch das Verwaltungsgericht wies die Klage der Gemeinde St. Lamberti ab. St. Elisabeth sei sehr wohl ein prägendes Beispiel für Nachkriegsarchitektur im Ruhrgebiet und für den Stadtteil bedeutend. Am Elisabethentag 2010 wurde das Gotteshaus profanisiert und harrte seitdem eines Käufers. Kurz vor Weihnachten konnte der Propst André Müller vermelden: "Wir freuen uns sehr, dass wir nach vielen Jahren der Bemühungen einen Investor und eine gute Nachfolgenutzung gefunden haben."

Nach neun Monaten zäher Verhandlungen haben alle Gremien der Pfarrei und des Bistums Essen dem Modelabel "Grubenhelden" den Zuschlag geben. Das Markenzeichen des im Revier sehr erfolgreichen Textilunternehmens ist, die Bergbaugeschichte wenigstens noch in den Outfits zu zitieren, wenn sie schon nicht fortgeschrieben werden kann. Die Firma produziert Kapuzenpullover, Jacken, T-Shirts im Steigerlook, in denen sich die Industriekultur widerspiegeln soll. Die Kirche soll fortan als Lager für den gegenüberliegenden Verkaufsshop dienen.

Das Interieur des Geschäfts ist einem alten Bergbaustollen nachempfunden, die Unter-Tage-Anmutung wird durch einen abgedunkelten Raum erzeugt, ein aus 1200 Meter Tiefe geförderter Kohlebrocken liegt aus. Da, so der Propst, auch die aufgelassene Kirche St. Elisabeth in ihrem Innenraum einem Bergbaustollen nachempfunden sei, passe die Ausrichtung des Geschäfts sehr gut zu der ehemaligen Kirche. Das zugehörige Gemeindehaus darf bis 2030 noch kirchlich genutzt werden. Ein Wimpernschlag in der katholischen Zeitrechnung, eine halbe Ewigkeit für ein Start-up-Unternehmen, das gerade zwei Gründerpreise kassiert hat.

Langfristig wird fast jede dritte Kirche in Nordrhein-Westfalen leer stehen, das sind etwa 2000 Gotteshäuser. Wo der Denkmalschutz keinen Riegel vorschiebt, grätscht der Vatikan dazwischen. Bereits Ende des letzten Jahres forderte Papst Franziskus würdige Lösungen bei einem Kongress zur Umwidmung von Kirchen. Er plädierte dafür, sie in Museen zu verwandeln. Der Pragmatismus, mit dem in den Niederlanden Gotteshäuser zu Bars, Cafés oder Buchläden umgestaltet werden, dürfte in Rom auf Abwehr stoßen.

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