© Rowohlt

1 (2) Jens Bisky: Berlin
Rowohlt Berlin; 976 S., 38,– €

Dem Journalisten Jens Bisky gelingt das Unmögliche: der meistbesprochenen Stadt in Deutschland neue Facetten abzuringen. Sein Berlin-Buch beginnt im 17. Jahrhundert, als die Stadt zu neuer Größe aufsteigt, sich mit Rom und Paris messen will. Bisky porträtiert eine Metropole der Widersprüche: Ort der Macht, der Teilung, der Repression und zugleich des Widerstands und des ewigen Experiments. 42 Punkte




© Suhrkamp

2 (4) Reinhart Koselleck, Carl Schmitt: Der Briefwechsel: 1953–1983
Suhrkamp; 500 S., 42,– €

Drei Jahrzehnte lang schrieben sich der Staatsrechtler Carl Schmitt und der Historiker Reinhart Koselleck Briefe. So verschieden die beiden Intellektuellen auch waren: Sie verbanden philosophische Interessen und historische Fragen. Der Briefwechsel offenbart Schmitts randständige Stellung nach 1945, Kosellecks Uni-Karriere in der Bundesrepublik und beider Blick auf die politischen Entwicklungen ihrer Epoche. 30 Punkte

© Schirmer/​Mosel

3 (–) Armin Zweite: Gerhard Richter. Leben und Werk
Schirmer/Mosel; 480 S., 128,– €

Das Buch des Kunsthistorikers Armin Zweite durchmisst das Werk des bedeutendsten lebenden deutschen Künstlers, Gerhard Richter. Über sein Leben erfährt man wenig, über das Werk wiederum alles. Zweite legt in einer erkenntnistheoretischen Tiefe und zeitgeschichtlichen Finesse offen, was Richters europäisch geprägtes Schaffen für die globale Kunst bedeutet. Ein Buch, das im wahrsten Sinne die Augen öffnet. 46 Punkte



© Ullstein

4 (1) Ivan Krastev, Stephen Holmes: Das Licht, das erlosch
A. d. Eng. v. Karin Schuler; Ullstein; 368 S., 26,– € A. d. Eng. v. Karin Schuler; Ullstein; 368 S., 26,– €

Ivan Krastev und Stephen Holmes analysieren die Krise der Demokratie in Osteuropa: Früher ging es um Kapitalismus gegen Kommunismus, heute stehen sich Liberale und deren enttäuschte Nachahmer gegenüber. Die Osteuropäer lehnen den Liberalismus ab und preisen sich als wahre Europäer, die der Seelenlosigkeit des Westens echte Bindung und familiäre Werte entgegensetzen. Eine verblüffende Analyse. 94 Punkte



© C.H. Beck

Ulrich Pfisterer: Raffael
C. H. Beck; 384 S., 58,– €

Die Kunstgeschichte sagt den Renaissance-Malern eine Obsession für das Göttliche nach. Der Kunsthistoriker Ulrich Pfisterer knöpft sich einen der größten Maler dieser Epoche vor, um das Klischee zu hinterfragen: das Multitalent Raffael. Pfisterer legt dar, dass sich Raffael nicht nur mit der christlichen Mythologie beschäftigte, sondern auch mit Architektur, Umwelt und ganz profan: mit dem Menschen an sich. 31 Punkte



Naomi Klein Green New Deal © Hoffmann und Campe

5 (4) Naomi Klein: Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann.
Hoffmann und Campe; 352 S., 24,– €

Die kanadische Aktivistin Naomi Klein fordert in ihrem neuen Buch stimmgewaltig eine politische Wende um 180 Grad. Nur ein "Green New Deal", der Umwelt- und Sozialpolitik gleichzeitig anspricht, kann den Planeten noch retten. Klein ist radikal und macht daraus keinen Hehl: Eine CO2-Steuer ist ihr nicht genug. Sie plädiert für Konsumverzicht, härtere Lohnsteuern und eine radikale linke Sozialpolitik. 30 Punkte



© Suhrkamp

7 (7) Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen
Suhrkamp; 305 S., 18,– €

Nach der wegweisenden Studie "Gesellschaft der Singularitäten" beschäftigt sich Andreas Reckwitz in seiner Essaysammlung mit dem Strukturwandel der Gesellschaft. Der Soziologe seziert die neue Klassengesellschaft, die postindustrielle Ökonomie, die Konflikte um Kultur und Identität und den Imperativ der Selbstverwirklichung, woraus Erschöpfung und Demokratiemüdigkeit entspringen. 28 Punkte



© Suhrkamp

8 (–) Quinn Slobodian: Globalisten
A. d. Engl. v. Stephan Gebauer; Suhrkamp; 522 S., 32,– €

Wer glaubt, das Wort "neoliberal" habe ausgedient, sollte dieses Buch lesen: Der kanadische Historiker Quinn Slobodian legt eine Geschichte des Neoliberalismus vor – von 1918 bis zur Gegenwart. Das Werk bietet präzise Analysen und zeigt, warum die neoliberale Weltanschauung keineswegs politische Freiheit impliziert. Gerade Staaten wie China beweisen: Neoliberalismus kann auch autoritär sein. 25 Punkte



© Suhrkamp

8 (–) Kristen R. Ghodsee: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben
A. d. Engl. v. U. Schäfer u. R. Barth; Suhrkamp; 277 S., 18,– €

Ging es in Schlafzimmern sozialistischer Länder tatsächlich interessanter zu als in kapitalistischen Betten? Für die US-Ethnologin Kristen Ghodsee ist die Sache klar: Frauen im Sozialismus hatten besseren Sex, weil sie ökonomisch unabhängig waren. Die Amerikanerin gewinnt dem real existierenden Sozialismus Vorteile ab und regt den Leser dazu an, dem Kapitalismus eine Prise Erotik einzuhauchen. 25 Punkte



© Rowohlt

10 (–) Malcolm Gladwell: Die Kunst, nicht aneinander vorbeizureden
A. d. Engl. v. Jürgen Neubauer; Rowohlt; 384 S., 22,– €

Malcolm Gladwell beschreibt in seinem neuen Buch dramatische Fälle des Aneinandervorbeiredens und erklärt, warum unsere Zusammentreffen mit Fremden so oft scheitern. Für Gladwell ist klar: Erst Vertrauen schafft gelungene Kommunikation. Seine Schrift ist ein Plädoyer dafür, sich im Alltag ebenso wie auf politischem Parkett zu öffnen, zu hinterfragen und schließlich Vorurteile abzubauen. 22 Punkte