Ein Gespräch mit Pankaj Mishra ist ein verstörendes Erlebnis. Mit ruhiger, fast sanfter Stimme erklärt er die Gegenwart als Schauplatz von Schrecknissen: Ungerechtigkeit, Chaos, Gewalt. Am verstörendsten aber wirkt, wie dankbar man für Mishras düstere Diagnose ist, geradezu erleichtert: Endlich einmal einer, der sich einen Reim auf unsere Zeit machen kann. Der sich nicht bloß zwischen Trump und Terror, Brexit und Hongkong abhetzt und am Ende nur die matte Einsicht mitbringt, dass die alten Gewissheiten nicht mehr gelten. Sondern der in den Turbulenzen ein Leitmotiv findet, ein Prinzip, so etwas wie ein historisches Gesetz. Die Pankaj-Mishra-Formel für das frühe 21. Jahrhundert ist sicher nicht die ganze Wahrheit. Aber sie ist ein Startpunkt, man kann mit ihr arbeiten, sie hilft erst einmal gegen das Hirnsausen des überforderten Zeitgenossen.