Er kam nicht so gut an, der Jahresendvorstoß der Verteidigungsministerin. Ein robusteres Mandat der Bundeswehr in Mali und überhaupt im Sahel schlug Annegret Kramp-Karrenbauer zwischen den Feiertagen vor. Gemeint sind Kampfeinsätze.

SPD-Politiker antworteten reflexartig: "Nein, jedenfalls nicht so." Andere Kritiker warnten vor militärischem "Overstretch" und einer widerwilligen deutschen Öffentlichkeit.

Aber wenigstens hat Annegret Kramp-Karrenbauer kurz die Aufmerksamkeit auf eine Region gelenkt, über die man hierzulande sehr wenig weiß. Bevor also die Bundeswehr dort "robuster" auftritt, sollte man erst einmal fragen, was die internationale Militärintervention bislang gebracht hat.

Was im Jahr 2013 als französisch geführte und zunächst erfolgreiche Operation gegen den Vormarsch islamistischer Gruppen in Mali begann, ist inzwischen eine ausufernde Anti-Terror-Mission gegen Drogen schmuggelnde Islamisten, die immer wieder in den Wüstengebieten abtauchen. Von versprochener Stabilität und Frieden keine Spur. Im Gegenteil. Vor allem in Mali wird die Lage von Jahr zu Jahr schlimmer, der Staat verliert an Terrain, Islamisten und andere Milizen gewinnen an Zulauf.

Daran schuld sind nicht ausschließlich, aber maßgeblich die Scheuklappen des Westens: Seit dem 11. September 2001 behandeln amerikanische und europäische Strategen komplexe Konflikte in Afrika, Asien und dem Nahen Osten vor allem unter dem Diktat des "war on terror". Seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 ist in Europa der Schlachtruf der "Migrationsabwehr" hinzugekommen.