Elektroautos sind teurer als vergleichbare konventionell angetriebene Fahrzeuge. Hauptgrund sind die teuren Batteriepacks. Für Neuwagenkäufer könnte sich das aber im Jahr 2020 ändern. Das liegt nicht daran, dass die Batterien billiger werden – sondern an der Elektroautoprämie der Bundesregierung und den neuen Brüsseler CO₂-Vorgaben für die Autoindustrie. Um hohe Strafzahlungen zu vermeiden, müssen die Autobauer den CO₂-Ausstoß ihrer Neuwagen ab Januar 2020 auf durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer absenken. Das entspricht beim Diesel-Pkw einem Verbrauch von 3,6 Litern auf 100 km, beim Benziner von 4,0 Litern auf 100 km. Derzeit liegt der CO₂-Ausstoß im Mittel bei 120 Gramm CO₂. Folglich müssen die neuen Autos zwischen Silvester und Neujahr 21 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. So etwas geht eigentlich nur mit Hexerei.

Oder mit einem Trick: dem Elektroauto. Es fährt lokal emissionslos und hat gemäß der Definition der Zulassungsbehörden einen CO₂-Ausstoß von null. Um über Nacht die 21 Prozent Verbesserung beim CO₂-Ausstoß zu realisieren, müssen die Autobauer schnell Elektroautos auf die Straße bringen. Da in der EU rund 15 Millionen Autos pro Jahr verkauft werden, würden die Autobauer mit 3,15 Millionen vollelektrischen Autos das Hexenwerk vollbringen. Da aber beispielsweise auch Plug-in-Hybride verkauft werden oder normale Hybride im Angebot sind, sind die 3,15 Millionen eine Art Obergrenze, die nicht ganz erreicht werden muss. Aber die Zahl gibt uns zumindest die Größenordnung an, mit der die Autobauer rechnen müssen.

Jetzt gibt es zwar in Deutschland die Elektromobilitätsprämie, aber man wird kaum erwarten können, dass nächstes Jahr 700.000 Elektroautos in Deutschland verkauft werden. Das wäre der Anteil der 3,15 Millionen Elektroautos, die in der EU in Deutschland abgesetzt werden müssten. Zusätzlich haben die Autobauer eine kleine Schonfrist, denn die "harten" Strafen fallen erst 2022 an. Also werden vermutlich nicht alle die CO₂-Vorgaben erreichen.

Dennoch, es wird nun ernst für die Autobauer. In welche Richtung das gehen kann, sieht man an den neuen Händlervorgaben im Peugeot-Citroën-Opel-Konzern. Vorreiter ist diesmal die Marke Peugeot. Opel wird folgen. Ab dem Jahr 2020 müssen die Peugeot-Händler zusätzlich Elektro- und CO₂-Ziele erfüllen. Reißt ein Händler die Verkaufsvorgaben für Elektroautos, wird sein Bonus empfindlich gekürzt, sprich, es bleibt weniger in der Kasse. Peugeot erhöht enorm den Druck auf seine Händler, Elektroautos, Hybride und Diesel zu verkaufen. Damit zwingt man die Händler, hohe Rabatte zu gewähren, denn ohne Zugeständnisse werden die Kunden das noch teure Elektroauto nicht ins Herz schließen. Was für Opel und Peugeot gilt, ist auch von anderen Autobauern zu erwarten.

Eine Hilfestellung erhalten sie durch das Klimapaket der Bundesregierung. Ab dem Jahr 2021 wird die Tonne CO₂ mit einem Preis von 25 Euro belegt. Umgerechnet auf den Treibstoff heißt das, dass der Liter Benzin um acht Cent und der Liter Diesel um neun Cent teurer wird. Bis zum Jahre 2025 soll dann der Preis der Tonne CO₂ auf 55 Euro steigen, sprich der Liter Benzin um 18 Cent, der Liter Diesel um 21 Cent teurer werden. Der Kunde wird also von verschiedenen Seiten umworben und "umgepolt".

Machen wir uns nichts vor: Die Elektroprämie und der höhere Treibstoffpreis werden nicht ausreichen, um einen Neuwagenkäufer vom Elektroauto zu überzeugen. Wer kauft schon einen elektrischen Opel Corsa für 30.000 Euro (oder bei Anrechnung der Elektroautoprämie für 24.000 Euro)? Also kommen Rabatte ins Spiel. Einen kleinen Vorgeschmack gibt die Verkaufsaktion für den elektrisch angetriebenen Seat Mii. Das Autochen wird im Leasing für 145 Euro Monatsrate angeboten.

Manchen Autohändler könnte so etwas die Existenz kosten. Spätestens 2022 dürfte die Spitze der CO₂-Rabatte erreicht werden, denn dann schlagen die Strafzahlungen bei Verfehlung der CO₂-Vorgaben ganz durch. Ab dem dritten Gramm kostet jedes Gramm 95 Euro Strafe. Für jeden konventionellen Neuwagen mit einem CO₂-Ausstoß von 120 Gramm wären das dann 2100 Euro Strafe. Ein Elektroauto schafft es dann, für fast fünf konventionelle Fahrzeuge Strafen zu vermeiden. Also hat ein Elektroauto einen Gegenwert von mehr als 10.000 Euro an eingesparten Strafzahlungen. Elektroautokäufer gehen guten Zeiten entgegen, wenn sie hart um den Preis feilschen.