Den Boden, auf den ich meinen Fuß setze, hat nie zuvor ein Mensch betreten. Er ist mit einer Kristallschicht überzogen. Hunderttausende Jahre blieb der Boden in der Tiefe des Berges unberührt, und nun hinterlassen meine schmutzigen Schuhe mit jedem Schritt einen Abdruck aus Lehm. Tropfsteine, dünn wie Makkaroni, hängen von der Decke des kleinen Raums, in den ich mich gezwängt habe. In meiner Hand halte ich eine billige Taschenlampe aus dem Supermarkt. Ich bin 14 Jahre alt und habe auf der Schwäbischen Alb durch einen Zufall eine Höhle entdeckt. Der Zugang ist eine Kluft in einem Steinbruch, vor Kurzem aufgesprengt, erst ein Riss nur. Wand an Brust, Wand an Rücken. Kaum Platz für einen Atemzug. Die Kammer, in die der Spalt nach wenigen Metern führt, ist immer noch nicht groß genug, um mich aufrichten zu können. Längst habe ich die Gefahr vergessen. Im Fall eines Unfalls weiß niemand, wo ich bin. Die Höhle ist winzig, die Kammer nicht größer als zwei Badewannen. Ihre Entdeckung ist wissenschaftlich völlig bedeutungslos. Und doch bin ich überwältigt, hier als erster Mensch zu sein.