Der Januar bringt Schnee, Sonnenschein und einen ungewöhnlichen Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Davos. Sie zitiert den französischen Dichter Comte de Lautréamont – schön sei die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch – und fügt hinzu, dass sie sich in ihren drei Jahrzehnten in der Politik nie gelangweilt habe, immer wieder sei etwas Neues geschehen, mal überraschend, mal befremdlich, mal amüsant, weshalb sie auch viel zu lang im Amt geblieben sei. Es ist eine untypische, eine poetische Rede, die die deutsche Kanzlerin in den Schweizer Bergen hält, kein einziges Mal spricht sie von Globalisierung oder Digitalisierung oder von den Herausforderungen einer neuen, multipolaren Weltordnung, vielmehr scheint sie auf persönliche Weise Abschied zu nehmen. Und die versammelten Staatschefs, Manager und Thinktank-Leader lassen das Twittern sein, sie legen die Hände in den Schoß und hören andächtig zu. Die Ansprache, die als Merkels "Lautréamont-Rede" in die Geschichte eingehen wird, bildet den Auftakt zu einem Jahr wunderbarer Nachrichten. (Wer sagt eigentlich, dass alles immer schlimmer wird?)

In der Debatte über das umstrittene VW-Werk im chinesischen Ürümqi setzt CEO Herbert Diess ein starkes Zeichen: Er lädt sechsundzwanzig Exiluiguren nach Wolfsburg ein, um mit ihnen über Menschenrechte und die Zukunft des Verbrennungsmotors zu diskutieren.

Das Bayerische Staatsballett lanciert ein ehrgeiziges Projekt zur Reintegration von IS-Heimkehrern. Terrorexperten halten die Idee für vielversprechend. "Wenn man einen radikalen Islamisten erst mal davon überzeugen kann, das Demi-plié oder gar das Grand-plié zu machen, dann ist schon einiges geschafft", sagt Peter Neumann, Professor für Sicherheitsstudien in London.

Mit dem EU-Austritt der Briten am 31. Januar kehrt die Angst vor einem Crash zurück. Besorgte deutsche Anleger investieren vermehrt in Mischwälder und Streuobstwiesen.

Die Hohenzollern-Dynastie beschließt, ihren umstrittenen Anspruch auf ein Dauerwohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof an Angehörige des vom Klimawandel bedrohten Inselstaats Kiribati abzutreten.

In einer Videobotschaft wendet sich der abgeschobene Bremer Clanchef Ibrahim Miri an die Sachsen. Als Repräsentant der organisierten Kriminalität in Deutschland möchte er sich vom Einbruch im Grünen Gewölbe distanzieren. Zwar hätten er und seine Großfamilie schon viele üble Dinge getan, doch seien Museen und andere Institutionen des kulturellen Lebens immer tabu gewesen.

Wissenschaftler stellen fest, dass die Nähe zu Windkraftanlagen eine beruhigende Wirkung auf ADHS-Patienten hat.

Der befürchtete Crash der deutschen Wirtschaft bleibt aus. Ökonomen sprechen von einem "kuschelweichen Abschwung".

Der Verband Rossijski Futbolny Sojus kündigt an, dass die russische Nationalmannschaft von nun an nicht bloß auf Anabolika verzichten wolle, sondern auch auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte.

Der Streuobstwiesen-Boom hat zu einer unverhofften Vermehrung von Insekten und Vögeln geführt. (Selbst die seltene Sumpfohreule wird jetzt wieder häufiger gesehen.)

Das bayerische Ballettprojekt zur Reintegration von IS-Rückkehrern wird verfilmt und kommt unter dem Titel Giselle statt Dschihad in die Kinos.

Bei der Europameisterschaft im Juni begeistert die vegane Mannschaft Russlands mit kraftvollem Angriffsfußball.

Das mutige Gespräch des Volkswagen-Chefs mit den sechsundzwanzig Exiluiguren wird in Oppositionskreisen aufmerksam registriert – und das nicht nur in China. Überall auf der Welt, wo demokratische Grundrechte eingeschränkt werden (ein Wachstumsmarkt), wird der VW wieder zum Lieblingsauto von Künstlern, Dissidenten und Andersdenkenden.

Pegida wird CO₂-neutral. Um die Emissionen auszugleichen, die bei den Dresdner Montagsspaziergängen anfallen, pflanzen die rechten Aktivisten auf dem Theaterplatz eine Deutsche Eiche.

Donald Trump gewinnt die Präsidentschaftswahl im November. Er beschließt, zurückzutreten, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nimmt die Kollision eines Bundeswehrkonvois und eines Windrads mit Humor: Sie lässt den 183.000 aktiven Soldaten und Soldatinnen je ein Exemplar von Miguel de Cervantes’ berühmtem Roman Don Quijote von der Mancha zukommen.

Clanchef Ibrahim Miri bittet die Bundesregierung um die Einreiseerlaubnis, weil er sich in der arabischen Gang-Szene für die Rückgabe des Polnischen Weißadlerordens und der Großen Brustschleife der Königin Amalie Auguste einsetzen möchte. Als ihm die Erlaubnis verweigert wird, überquert er die deutsche Grenze im Laderaum eines bulgarischen Kühltransporters.

Durch einen Zufall wird öffentlich bekannt, dass sich der Fußballer Mesut Özil nicht bloß für muslimische Minderheiten in China engagiert. Özil ist ein großer Glyphosat-Gegner, er finanziert einen Lehrstuhl für Public Policy und berät die Weltbank bei der Vergabe von Mikrokrediten. Frühzeitig hat er die Opfer des Filmproduzenten Harvey Weinstein ermuntert, mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen. (Man vergisst so leicht, wie viele gute Dinge im Verborgenen geschehen.)