Meine erste Schallplatte, abgespielt auf einem Lenco-Plattenspieler von Ex Libris, wehte die beiden Violinkonzerte von Bach in mein winziges Zimmer, das Hoheitsgebiet einer Achtjährigen. Ausgestattet mit Kajütenbett und Pult, in der Nische ein Büchergestell, dazwischen ein Notenständer und später mein erster Geigenkasten. Diese Platte war der Grund, warum ich Geige lernen wollte. Endlich erlöst vom Blockflötenunterricht in einer von der Religionslehrerin gebändigten Truppe. Bach drang in mein Ohr und stürzte in mein Leben. Unbegreiflich für ein Kind, Bachs Musik. Obwohl mein Vater, Organist in einer katholischen Kirche, während meiner Taufe Bach gespielt haben soll. 1962 war das eine Kühnheit. Die Kirche sei kein Konzertsaal und Bach kein Katholik, entgegnete der Pfarrer. Mein Vater hielt an großer Musik während der Gottesdienste trotzdem fest. Den letzten Sonntag seines Lebens verbrachte er auf der Orgelbank. Gut möglich, dass er noch einmal Bach spielte.