Eine ziemlich tollkühne Geste, mit der sich John Baldessari 1970 in der Welt der Kunst bekannt machte: Zusammen mit ein paar Freunden übergab er all seine in jahrelanger Arbeit geschaffenen Gemälde einem Krematorium und ließ sie verbrennen. Vor ihm hatten schon andere Künstler ihr Frühwerk zerstört, doch Baldessari raubte diesem Akt des Abschieds von der traditionellen Malerei durch eine kleine Volte das übermäßige Pathos: Er backte Kekse aus der Asche, steckte sie in eine Urne in der Form eines Buches und stellte sie zusammen mit dem Backrezept aus. Ein Jahr später ließ er für eine Ausstellung wie für eine Strafarbeit endlos oft einen Satz an die Galeriewand schreiben: "I will not make any more boring art."

Mit seiner kritischen, dabei aber immer spielerischen und selbstironischen Konzeptkunst wurde Baldessari fortan zu einem der einflussreichsten Künstler der USA. Er ließ viel Luft aus dem aufgepumpten Geniekult, dem sich selbst noch die Konzeptkünstlerkollegen seiner Zeit hingaben. Für eines seiner frühen Videos sang er – der nicht gerade über die Stimme eines Operntenors verfügte – 1972 lakonisch die strengen, manifestartigen Aussagen seines Kollegen Sol LeWitt zur Konzeptkunst vor. Und auf Leinwände malte er eine wie gedruckt wirkende Liste mit Tipps für Künstler, die Geld verdienen wollten, etwa: "Gemälde mit hellen Farben lassen sich schneller verkaufen als Gemälde mit dunklen Farben."

Baldessari selbst verdiente sein Geld zunächst als Kunstlehrer an Schulen, später an Akademien und Universitäten: 1970 hatte er am California Institute of the Arts einen Lehrstuhl für Post Studio Art gegründet, also für Kunst, die nicht mehr in einem Atelier, sondern vor allem im Kopf entstehen sollte. Tony Oursler, Cindy Sherman, Barbara Kruger – die Liste jener Künstler, denen er ein Vorbild war, ist sehr lang.

Schon bald entwickelte Baldessari Collagen, mit denen er in Los Angeles die Dada-Kunst und den Surrealismus neu erfand: Standbilder aus Kinofilmen und Fotografien aus Magazinen reproduzierte er auf Leinwände und überklebte die Gesichter mit roten, gelben, blauen Punkten. Oder er kombinierte gefundene Fotografien mit scheinbar willkürlichen Zitaten aus den Drehbüchern, die er sammelte. Über das Foto einer Meerlandschaft mit Palme montierte er ein weißes Gehirn, das wie eine Wolke anmutet. Es war ein leichtfüßiger Stil, der zu seiner kalifornischen Heimat passte, helle Bilder, die er mit kleinen, eleganten Widerhaken und visuellen Stolperfallen versah.

Bei einem Besuch in Los Angeles vor einigen Jahren öffnete John Baldessari barfuß die Tür zu seinem Atelier im Stadtteil Venice, ein freundlicher Großmeister mit weißem Haar und weißem Bart, auch ohne Schuhe noch knapp zwei Meter groß. Der Tisch in seinem Atelier war überhäuft mit Literatur, Theoriebänden, Katalogen. "Die Kunst und der Markt, das ist wie ein gesunder Mensch mit einer Krankheit", sagte er, besorgt über die hohen Preise, die heute auch für seine Werke gezahlt werden. Er hatte fast alle Ehren erhalten, mit denen man Künstler auszeichnet: große Retrospektiven in London und New York, den Goldenen Löwen der Venedig-Biennale, die National Medal of Arts, verliehen von Präsident Obama. "Ich habe nie versucht, lustig zu sein. Aber ich konnte die Menschen nicht davon abhalten, zu glauben, ich sei lustig", sagte er – und lachte. Am 2. Januar ist John Baldessari in seiner kalifornischen Heimat gestorben.