Martin Walser ökonomisiert seine Kräfte im hohen Alter mit derselben leidenschaftlichen Entschiedenheit, mit der er früher keiner Wortschlacht ausgewichen ist. Er haushaltet streng mit seinen Gesten, die Sätze beschränken sich nur noch auf das Notwendige. Das ist nicht nur einer gewissen Altersschwäche geschuldet, sondern auch Stilprinzip. In seinem jüngsten Buch "Mädchenleben oder Die Heiligsprechung" (Rowohlt, November 2019) reduziert er die einst so ausschmückende Sprache auf ein paar blühende Disteln, schön und stechend. Martin Walser gibt nur mit Widerwillen direkt Auskunft über sich selbst. Lieber spricht er aus seinen Figuren heraus, lässt sie an seiner Stelle antworten. Er versteht sich selbst inzwischen mehr denn je als die Summe seiner Bücher.