Nicht alle Frauen trugen Bubikopf und tanzten Charleston. Was die einen an den Zwanzigerjahren an Libertinage und Glamour feiern, ist für die anderen ein einziges Schreckensszenario. Sittenlosigkeit und Dekadenz unterminierten die alte Ordnung.

Nun kommen die neuen Zwanzigerjahre – und mit ihnen alte Befürchtungen. Wirtschaftlich besteht die Angst vor einem neuen "Black Friday", einem New Yorker Börsenkrach, der die Weltwirtschaft erschüttert. Politisch fürchtet man einen neuen Rechts-Putsch, der einen Anschlag auf die Demokratie probt.

Auch in der katholischen Kirche scheint es Ängste zu geben, dass die neuen Twenties alles andere als golden für sie werden. In der Würzburger "Tagespost" wird auf zwei Seiten des Papstes Johannes Paul II. gedacht. Der Churer Weihbischof Marian Eleganti würdigt darin den charismatischen Pontifex, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Die Marschrichtung ist deutlich: "Vieles hat sich nach der Euphorie der Konzilszeit (1962–1965, Anm. d. Red.) überhaupt nicht zum Besseren gewandelt. Ja, ich habe mich sogar gefragt, wo Christus in seiner von so vielen Flügelkämpfen zerrissenen Kirche spürbar bleibt." Johannes Paul II. wird dann als ein "sicherer Halt und ein klarer Bezugspunkt" den Wirren entgegengestellt: "Er gab mir das Gefühl, dass das Schiff Petri in festen und guten Händen liegt." Das lässt sich als eine volle Breitseite gegen Franziskus deuten und die Reformer in der Kirche, die den festen Halt eher als festen Klammergriff der Kurie empfinden. Der Papst aus Polen wird zur Galionsfigur eines Panzerkreuzers, aus dem Torpedos in Richtung des Synodalen Wegs abgeschossen werden. Schützenhilfe – um in diesem militärischen Bild zu bleiben – erhält der Schweizer Weihbischof Eleganti vom Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der sich erneut gegen die nun bald beginnende Zusammenkunft über die Reform äußerte.

Den festen Halt in der Kirche empfinden viele Reformer als Klammergriff der Kurie.

Doch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, lud Ende November "diejenigen ein, die Schwierigkeiten mit dem Glauben und der Kirche haben, die Vertrauen verloren haben oder als Suchende unterwegs sind". Der Reformprozess solle ein Weg der Umkehr und der Erneuerung sein.

Umkehr nur wohin? Zurück zu alten Mustern? Zum Thema Priesterweihe für Frauen sagte Marx, die Kirche könne nicht beiseiteschieben, was ein Papst bindend und eindeutig festgelegt habe. Johannes Paul II. habe 1994 sehr stark formuliert, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Auf dieses Wort habe Papst Franziskus kürzlich im Gespräch mit Marx verwiesen und gesagt: "Diese Tür ist geschlossen." Aber die Diskussion über das Thema sei deshalb nicht abgeschlossen. Das alte Lied: Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Dagegen hilft nur Heinrich Heine: "Ein neues Lied, ein bessres Lied, o Freunde, will ich euch dichten."

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