Als ich Michael Ignatieffs faszinierenden Essay über den Trost in der westlichen Philosophie und Religion las, kreisten meine Gedanken zunächst um seinen ergreifenden Anfang. Welche Formen, so überlegte ich, würde Trost für jemanden, der den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen erlitten hat, in der hinduistischen und der buddhistischen Kultur annehmen?

Für die Gläubigen, die in meinem Teil der Welt immer noch die überwältigende Mehrheit ausmachen, würde Trost darauf abzielen, den weitverbreiteten Glauben an die Wiedergeburt zu stärken. Er würde die trauernde Person daran erinnern, dass im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus jedes Leben die Folge der vorangegangenen Leben ist und seinerseits das nächste hervorbringt.

Im Mittelpunkt steht nicht allein das einzelne Dasein, und deshalb gibt es in diesen Religionen keine Gräber, Sarkophage oder Pyramiden, die das Ende eines Lebens anzeigen, denn dieses besondere Leben ist nur eines unter vielen. Es besteht zudem immer die Möglichkeit, in einem der nächsten Leben wieder mit einem geliebten Menschen zusammen zu sein, wenn die Sehnsucht und die Liebe stark genug sind. "Wir werden sieben Geburten hindurch zusammen sein" ist ein Versprechen, das sich Liebende oft geben.

Auch ein buddhistisches Gleichnis könnte Trost spenden: Kisa Gautami war eine junge Frau, die von Schmerz überwältigt wurde, als ihr einjähriges Kind starb. Weinend und stöhnend trug sie das tote Kind zum Buddha und bat ihn, es wieder zum Leben zu erwecken. Er hörte geduldig und mitfühlend zu und sagte ihr dann: "Kisa Gautami, es gibt nur einen Weg, dein Problem zu lösen. Geh und such mir vier oder fünf Senfkörner aus irgendeiner Familie, in der es nie einen Todesfall gab." Michael Ignatieff würde dies gutheißen: Indem der Buddha der jungen Frau Gautami ihre Verwandtschaft mit dem Rest der Menschheit bewusst macht, ist sein Trost ein "Akt der Solidarität im Raum".

Eine Bedeutungsgebung, die sich daraus ableitet, dass man über den Verlust nachdenkt, statt "weiterzumachen", ist der antitherapeutische Trost, den eine andere Tradition bietet. In den Worten des persischen Dichters Rumi: "Wende dich nicht ab. Halt deinen Blick auf die bandagierte Stelle gerichtet. Dort dringt das Licht in dich ein."

Der Dichter-Philosoph Rabindranath Tagore, der in seiner Jugend die Liebe seines Lebens verlor, schreibt in seinen Lebenserinnerungen: "Das furchtbare Dunkel, das mir durch jenen Riss enthüllt wurde, zog mich immer mehr an und ließ mich Tag und Nacht nicht los. Immer wieder kehrte ich zu ihm zurück und starrte hinein in die Lücke und fragte mich, was an die Stelle dessen, was entschwand, getreten war. [...] Und doch war es, als ob mitten in diesem unerträglichen Gram hin und wieder in meinem Geist eine plötzliche Freude aufblitzte, auf eine Art, die mich in Staunen versetzte. Die Erkenntnis, dass das Leben nicht etwas Festes, dauernd Unverrückbares ist, diese Erkenntnis selbst, die mir den Schmerz gebracht, brachte mir auch die Linderung. Dass wir nicht ewig als Gefangene in einer festen Steinmauer eingeschlossen sind, war der Gedanke, der unbewusst immer wieder wie eine plötzliche Welle von Jubel in mir aufwallte." Das Leben, so scheint Tagore zu sagen, gewinnt an Bedeutung und Wert im Verhältnis zu der Intensität, mit der wir seiner Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit innewerden.

Ein vierter Trost, der mir persönlich am meisten zusagt, vermeidet die tragische Vision eines Großteils des modernen westlichen Denkens, die das Ende des Körpers mit der Auslöschung des "Selbst" gleichsetzt – ebenso wie die romantische Vision traditioneller Religionen, die ein Leben nach dem Tod versprechen, sei es im Himmel oder durch Wiedergeburt. Die Vorstellung, dass das persönliche Selbst Teil eines kosmischen Selbst ist, aus dem es bei der Geburt hervorgeht und in das es sich beim Tod auflöst, hatte oft mit den dogmatischen Theologien der monotheistischen Religionen zu kämpfen. Sie wurde abwertend als "mystisch" bezeichnet.

In den asiatischen Kulturen aber gehören die Ansprüche des Mahayana-Buddhismus auf das alle Wesen vereinigende alayavijnana ("Speicherbewusstsein") zum etablierten philosophischen Denken, zusammen mit analogen Konzepten wie der Existenz der "Buddha-Natur" oder des brahman ("kosmisches Selbst") in den hinduistischen Upanishaden. In der moderneren Sprache des Religionswissenschaftlers Jeffrey Kripal ist das Gehirn nur ein Filter, ein "Reduktionsventil", wie Henri Bergson es nannte, durch welches das "universelle Bewusstsein", das "kosmische Selbst" tröpfchenweise in die Raum-Zeit einsickert, um dort individuelle, persönliche Selbste zu bilden. Mein individuelles Bewusstsein ist keine emergente, fragile Eigenschaft von Gehirnprozessen wie in den Neurowissenschaften, sondern es existiert unabhängig vom Gehirn, durch das es mittels neurologischer, kognitiver, kultureller und sozialer Prozesse gefiltert wird. Auch Platon sagt im Timaios, wir seien "ein Gewächs, das nicht in der Erde, sondern im Himmel wurzelt".

Tröstlich ist vielleicht nicht nur ein "Glaube an die Menschheit", sondern auch der Glaube an unser vergängliches Selbst als Teil eines universellen – zwei Glauben, die beide allerdings nicht über alle Zweifel erhaben sind.

Aus dem Englischen von Michael Adrian