Es wird Zeit, das Profil der wissenschaftlichen Einrichtungen wieder zu schärfen.

Professor

Forschung. Lehre. Transfer. Die Exzellenzstrategie rückt diese drei Dimensionen wissenschaftlicher Exzellenz weit nach vorn. Unlängst wurde die Wichtigkeit des letzten und bislang wohl schwächsten Glieds dieser Triade, das Vermitteln des Wissens in die Gesellschaft hinein, nochmals durch ein Positionspapier der Bundesministerin für Bildung und Forschung betont.

Die Wertschätzung dieser drei Elemente ist nicht neu. Über viele Jahrzehnte hinweg wurden sie jeweils durch die verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen des Bundes und der Länder abgedeckt: So galten Max-Planck-Institute als Hochburgen der Grundlagenforschung, auch Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft betrieben große wissenschaftliche Infrastrukturen, wogegen die Ressortforschungseinrichtungen auf die Ausrichtung und Übersetzung von Forschung für die Anwendung spezialisiert waren, die Fachhochschulen auf Praxisnähe und Lehre und für Universitäten immer der Leitsatz der Verschränkung von Lehre und Forschung galt. Auch die großen Wissenschaftspreise werden entsprechend vergeben. Für die Forschung steht der Leibniz-, für die Lehre der Ars legendi-, für die Vermittlung der Communicator-Preis.

Nun aber wird alles von allen erwartet. Die klare Aufgabenteilung zwischen den Institutionen hat sich bereits in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr aufgelöst: Max-Planck-Institute legen zunehmend Wert auf eigene Promotionsprogramme und den Transfer, Fachhochschulen wollen das Promotionsrecht, Ressortforschungseinrichtungen müssen auch in Peer-reviewed Journals veröffentlichen. Es gibt kaum noch Unterschiede bei den Evaluationskriterien der verschiedenen Einrichtungen.

Es ist daher zu vermuten, dass Exzellenz in Forschung, Lehre und Transfer bald auch von jeder Wissenschaftlerin und jedem Wissenschaftler erbracht werden soll. Das kann nicht gut gehen. Brillanz in allen drei Sektoren findet sich selten, schon allein weil die Zeit dazu fehlt. Noch nie hat eine Person sowohl den Leibniz- als auch den Ars legendi-Preis gewonnen. Mittelmaß in allen drei Bereichen aber kann man nicht wollen.

Was also ist zu tun? Es wird Zeit, das Profil der wissenschaftlichen Einrichtungen wieder zu schärfen. Dies kann in unterschiedlicher Radikalität geschehen, von der Rückbesinnung auf die ursprünglichen spezifischen Aufgaben von Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Einrichtungen bis hin zu ihrer vollständigen Neuorganisation. In jedem Fall ist die bestehende Vielfalt der hiesigen Wissenschaftslandschaft nur zu bewahren, wenn sie ihren Ausdruck auch in einer funktionalen Differenzierung findet und diese als Stärke unseres Systems begriffen wird. Ansonsten ist die hohe Zahl der eigenständig verwalteten, außeruniversitären Einrichtungen nicht zu legitimieren.

Diese Vielfalt muss sich auch in individuellen Karrieren widerspiegeln. In der Ausbildung müssen Spezialisierung und Profilbildung ab der Postdoc-Phase stärker gefördert werden: Neben der klassischen Forscherlaufbahn kann es Grundlagenprofis geben, Lehrspezialistinnen, Transferexperten und Wissenschaftsmanager. Das System braucht sie alle und muss daher seine Personalstruktur so ändern, dass es auch für all diese Profile einen Platz gibt, einschließlich guter Bezahlung und sicherer Beschäftigungsbedingungen. Keineswegs reden wir dabei einer Versäulung das Wort. Stattdessen sind Laufbahnen denkbar, in denen Forschung, Lehre und Transfer in jeder Reihenfolge konsekutiv im Lebensverlauf folgen.

Unser Wissenschaftssystem ist so reich. Es wird Zeit, diesen Reichtum zu würdigen. Wir brauchen viele Exzellenzen statt der einen alten Exzellenz.