In der Finanzwelt ist sie ein Winzling, in Olten der Platzhirsch: Der Hauptsitz der Alternativen Bank Schweiz (ABS) steht prominent am Aareufer, während sich die Filialen von UBS, Credit Suisse und Postfinance in der schattigen Hauptstraße verstecken. ABS-Geschäftsführer Martin Rohner empfängt in einem Sitzungszimmer neben der Kantine. Der Thermostat zeigt 23,5 Grad – wie unökologisch!

DIE ZEIT: Herr Rohner, Sie sind Chef der Alternativen Bank Schweiz (ABS) und damit vermutlich der am schlechtesten bezahlte Bank-CEO des Landes. Was machen Sie falsch?

Martin Rohner:(lacht) Ich weiß nicht, ob das stimmt.

ZEIT: Sie verdienten 2018 gerade mal 219.966 Franken. Dazu kommt noch eine Hypothek von 911.900 Franken, die Ihr Arbeitgeber Ihnen zu Vorzugskonditionen verkauft hat ...

Rohner: ... und die ABS bezahlt mir die Hälfte des Generalabonnements, 2. Klasse.

ZEIT: Das sind nochmals 1840 Franken.

Rohner: Der Lohn war für mich nie entscheidend, wenn es darum ging, einen Job anzunehmen. Geld ist für mich ein Hygienefaktor.

ZEIT: Was meinen Sie mit "Hygienefaktor"?

Rohner: Ich muss von meinem Lohn leben können. Und ich hatte in meinem Leben einige Sparziele, die ich erreichen wollte.

Wir bezahlen keine Boni, weil das falsche Anreize schafft.
Martin Rohner, Chef der Alternativen Bank Schweiz

ZEIT: Worauf sparten Sie?

Rohner: Als meine Partnerin und ich eine Familie gründen wollten, hatten wir den Wunsch nach einem Eigenheim. Heute bin ich 54, nun denke ich eher daran, wie ich meine Pension finanziere.

ZEIT: Fasziniert Sie Geld?

Rohner: Nicht das Geld per se.

ZEIT: Das sehen die meisten Angestellten in der Finanzbranche anders: Geld ist ihr Antrieb.

Rohner: Die ABS wirtschaftet ganz anders. Wir betreiben nachhaltiges Banking. Dazu gehört auch die Personal- und Lohnpolitik. Wir bezahlen zum Beispiel keine Boni, weil das falsche Anreize schafft: Unsere Mitarbeitenden sollen für die Kundinnen und Kunden arbeiten, nicht nur für sich oder das Unternehmen. Und wir haben in unserem Lohnreglement festgeschrieben, dass der bestbezahlte Mitarbeitende in der Firma höchstens fünfmal so viel verdienen darf wie der am schlechtesten bezahlte. Momentan ist das Verhältnis 1 zu 3,8.

ZEIT: Der bestbezahlte sind Sie ...

Rohner: ... und zuunterst steht unsere Putzkraft in Lausanne.