Es war nicht gleich zu erkennen, dass die deutsche Außenpolitik hier etwas ziemlich Kühnes versuchte. Im Gegenteil.
Der Berliner Libyen-Gipfel am vergangenen Sonntag folgte den Ritualen der internationalen Diplomatie: Vorfahrt der Teilnehmer in gepanzerten Limousinen, "Familienfoto" mit sorgsam ausgehandelten Positionen, am Ende ein Kommuniqué voll hehrer Bekenntnisse. Gefolgt von skeptischen Kommentaren besorgter Experten, nun erst kämen die "Mühen der Ebene". So weit, so bekannt.
Doch die Routine war vorgetäuscht. Angela Merkel und Heiko Maas, die deutsche Kanzlerin und ihr Außenminister, haben sich auf die Wette eingelassen, dass Diplomatie auch – oder gerade – in undiplomatischen Zeiten etwas bewirken kann. In einem Moment, der all jenen Groß- und Mittelmächten zu gehören scheint, die ihre Interessen nicht am Verhandlungstisch, sondern lieber mit Drohnenangriffen, Milizen, Söldnern und Warlords ausfechten, ist das eine riskante Wette.