Klimaprotest vor der New Yorker BlackRock-Zentrale im Oktober © Pacific Press Agency/​imago

Sieben Billionen Dollar sind eine kaum vorstellbar große Menge Geld. Diese Wirtschaftsleistung erbringt ganz Deutschland in einem Zeitraum von rund zwei Jahren. Und so viel Vermögen verwaltet die US-amerikanische Fondsgesellschaft BlackRock für ihre Kunden. Die New Yorker sind mit den Milliarden an Tausenden Unternehmen weltweit beteiligt, was den BlackRock-Chef Larry Fink zum mächtigsten Finanzmanager auf dem Planeten macht. Vergangene Woche hat er nun die Chefs dieser Unternehmen in einem Brief aufgefordert, mehr für den Klimaschutz zu tun.

Fink schreibt, dass "das Klimarisiko auch ein Anlagerisiko ist". Dann kündigt er Konkretes an: "Wir werden uns von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten."

Dieses Versprechen gilt allerdings mit Einschränkungen. Trennen will sich das Unternehmen nur von Anteilen an Unternehmen, die mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen. Damit könnte etwa der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore, der in den vergangenen Jahren eine Kohlemine nach der anderen aufkaufte, nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg weiter in den Portfolios bleiben.

Was Fink in dem Brief zudem nicht erwähnt: Der größte Teil des Kapitals, das BlackRock für seine Kunden verwaltet – rund 4,6 Billionen Dollar –, steckt in Indexfonds. Dabei handelt es sich um Fonds, die Aktienindizes wie etwa den Deutschen Aktienindex nachbilden. Ist also ein Kohleproduzent oder Verwerter wie RWE Teil des Index, dann kann BlackRock dessen Aktien oder Anleihen nicht einfach abstoßen. BlackRocks Fondsmanager suchen sie nämlich nicht eigens aus.

Immerhin kann BlackRock als in vielen Fällen wichtiger Anteilseigner seine neue grüne Haltung deutlich machen. In seinem Brief droht Fink damit, bei Hauptversammlungen künftig "Vorständen und Aufsichtsräten unsere Zustimmung zu verweigern, wenn ihre Unternehmen bei der Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen und den ihnen zugrunde liegenden Geschäftspraktiken und -plänen keine ausreichenden Fortschritte machen".

Es gibt Klimaforscher, die den neuen Tönen aus dem Hause BlackRock enorme Bedeutung beimessen. Zum Beispiel Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: Sie halten schon länger sogenannte positive Kippmechanismen für möglich, mit denen der Klimawandel in letzter Minute doch noch aufgehalten werden könnte. In einer großen Studie, die gerade in der US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, identifiziert eine Forschergruppe sechs mögliche Kippmechanismen, und einer der wichtigsten Treiber wären sogenannte divestments.

Gemeint ist die Abkehr von Investitionen in fossile Energieträger und die entsprechenden Branchen. Einer der Leitautoren, Jonathan Donges, vermutet, dass sich nun tatsächlich die Investitionskultur verändern könne. "Mit der Ankündigung von BlackRock ist das Finanzsystem im Klimakontext einem möglichen Kipppunkt sicher näher gekommen, wenn er nicht bereits überschritten wurde", sagt er. Aufgrund der Größe dieses Unternehmens bei anderen Investoren sei durchaus zu erwarten, "dass die divestment-Bewegung damit in der nächsten Zeit noch mehr an Dynamik entfalten wird. Damit ist auch ein zunehmend stärkerer Einfluss auf die Realwirtschaft und die Politik zu erwarten."

BlackRocks Einfluss, heißt das, könnte die Welt tatsächlich verändern – vor allem dann, wenn das Beispiel Schule macht, künftig bei Investments auch Klimarisiken wie extreme Regenfälle oder Hitzeperioden in die Bewertung einzubeziehen.