Gesa Teichert-Akkermann und Verena Akkermann erwarten im kommenden Monat ihr erstes Kind. Dank einer Embryonenspende werden sie dann eine Familie sein, die wie jede andere durch Artikel 6 des Grundgesetzes geschützt ist.

So hat es das Bundesverfassungsgericht unmissverständlich klargestellt, und so – das würde man zumindest annehmen – war ja wohl auch die Ehe für alle gedacht, die es in Deutschland seit 2017 gibt: Als rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen und Heterosexuellen.

Für das Kind, das Gesa Teichert-Akkermann austrägt, wird allerdings ein gewichtiger Unterschied gelten gegenüber allen Kindern, die in eine heterosexuelle Ehe hineingeboren werden: Die Co-Mutter Verena Akkermann wird rechtlich nicht als Elternteil gelten. Sollte Gesa Teichert-Akkermann die Entbindung nicht überleben (wovon wir nicht ausgehen, sondern ihr das Beste wünschen wollen), wäre das Kind Vollwaise. Es erhielte erst einmal einen Amtsvormund und müsste anschließend von Verena Akkermann adoptiert werden.

Hat der Gesetzgeber vergessen, hier eine wichtige Kleinigkeit zu regeln? Könne ja wohl kaum anders sein, argumentiert das Paar – und klagt jetzt vor dem Amtsgericht Hildesheim auf Feststellung der Mitmutterschaft von Verena Akkermann. Dass sich das Abstammungsgesetz noch nicht auf der Höhe der verfassungsrechtlichen und politisch gewollten Gleichstellung befinde, sei nur durch "eine planungswidrige Gesetzeslücke" erklärbar.

Vergessen hat der Gesetzgeber hier allerdings nichts. Er hat sich eher verheddert. Welche Regeln, grübeln Rechtspolitiker im Bundestag seit Monaten, sollen denn für unterschiedliche Konstellationen gelten? Was wäre zum Beispiel mit der Mehrelternschaft, wenn also ein lesbisches und ein schwules Paar sich dafür entscheiden, zusammen Kinder zu bekommen und großzuziehen? Oder: Welche Rechte müsste ein Samenspender haben, der aus dem Freundeskreis des Paares stammt und gerne eine Co-Vaterrolle annehmen will? Was geschieht, wenn der biologische Vater, der auf eine Elternstellung verzichtet und versprochen hatte, sich aus der Erziehung herauszuhalten, später doch Elterngefühle entdeckt und plötzlich eine Beziehung zu seinem leiblichen Kind aufbauen möchte?

Das alles sind schwierige Rechtsfragen. Aber sie verstellen womöglich den Blick dafür, dass es auch ganz einfache Fälle gibt. Warum, mit anderen Worten, müssen Menschen in klaren, unkomplizierten Konstellationen, wie das Paar Akkermann eine darstellt, weiterhin unter Rechtsunsicherheit leiden? Weil es auch ganz andere, komplexere homo- und transsexuelle Familienmodelle gibt?

Der Rechtssauschuss des Bundestages sollte sich vielleicht an den Gedanken gewöhnen, dass es innerhalb des Untypischen durchaus Typisches gibt oder zumindest: leicht zu Regelndes, nämlich Kinder aus anonymen Spenden, die in homosexuelle Zweierpartnerschaften hineingeboren werden. Die Regelungslücke für diese Fälle zu schließen, wäre nicht schwer – man müsste das bestehende Ehe- und Abstammungsrecht für heterosexuelle Paare bloß analog anwenden. In weiteren, getrennten Gesetzgebungsverfahren ließen sich weitere Konstellationen regeln.

Entknäulen und vorankommen – bei manchen LGBTQ-Interessenvertretern dürfte dies die Sorge vor Spaltung und Entsolidarisierung auslösen: Haben die Lesben erst ihre Rechte, werden sie die Mehrfamilien oder Transmenschen vergessen, und der politische Druck der Bewegung versiegt. Aber wäre es nicht erfolgversprechender, Erfolg auf Erfolg zu bauen, mit jeder erreichten Stufe folgerichtig die nächste zu begründen, statt mit Eingabe um Eingabe den parlamentarischen Prozess so zu überfrachten, dass er ächzt?

Auch beim Standesamt ihrer Heimatgemeinde ersuchten die Akkermanns um die Anerkennung von Verena als Mit-Mutter. Der Beamte schrieb ihnen zurück, in "Ermangelung einer Rechtsgrundlage" sei dies nicht möglich. Auf menschlicher Grundlage fügt er hinzu, er bedaure dies – und wünsche für die Entbindung alles Gute.

Korrekturhinweis: In einer früheren Textversion wurde ein falscher Begriff verwendet, den wir hier korrigiert haben.