Kürzlich wurde bekannt gegeben: Die 18-jährige US-Sängerin Billie Eilish wird das Titellied des neuen James-Bond-Films interpretieren. Das ist toll! Oder verspricht doch zumindest etwas musikalische Bewegung nach den missglückten Bond-Songs der letzten Jahre. Man erinnere sich an das anämische Geknödel des britischen Schmalzschlagersängers Sam Smith im Vorspann zu Spectre (2015) oder an den stimmlich kompetenteren, aber kompositorisch ähnlich bedeutungslos wirkenden Beitrag von Adele zu Skyfall (2012). Beide bemühten sich vergeblich um Anschluss an die klassische Bond-Song-Ästhetik, wie der Komponist John Barry sie in den Sechzigern prägte. Während sich James Bond selbst in den letzten Jahren unentwegt neu erfinden musste, frönten seine Begleitsänger und -sängerinnen unbeeindruckt der Retromanie – was freilich auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass die vorangegangenen Versuche zur Bond-Song-Modernisierung in den Nullerjahren ebenfalls gescheitert waren. Mal hechelte sich Madonna mit grell vocodergeschminkter Stimme durch ein freudlos rhythmisiertes Fitnessstudio-Stück (Die Another Day, 2002); mal barmte der Soundgarden-Sänger Chris Cornell zu richtungslosen Gitarrenriffs irgendwas Semi-Interessantes von männlichem Leid vor sich hin (Casino Royale, 2006). Das war auch nichts.

Tatsächlich findet sich in der James-Bond-Film-Geschichte überhaupt nur ein einziges Beispiel eines musikalisch zu seiner Zeit aktuellen und gleichzeitig gelungenen Titellieds, Live and Let Die von Paul und Linda McCartney aus dem Jahr 1973; ein Stück, das so drogenselig verpeilt, verspielt und selbstironisch verschlenkert ist wie die dazugehörige 007-Version von Roger Moore. Ansonsten waren die besten Bond-Songs stets jene, die ganz aus der Zeit gefallen wirkten: überlebensgroß glamourös, erotisch gefährlich und irgendwie zu aufgeregt für den Anlass. Mit solchen Songs könnte und sollte man die Filme weiter beschallen. Bloß finden sich keine Künstler mehr, deren Stimme und Charisma für so etwas taugen; Adele und Sam Smith sind es jedenfalls nicht.

Also hat man sich – das ist konsequent! – mit Billie Eilish für den radikalen Gegenentwurf entschieden. Sie ist nicht larger than life, sondern smaller; sie ist unaufgeregt bis zum Teenager-typischen Phlegma; und einen sonderlichen Sinn für Glamour kann man ihr auch nicht nachsagen. Ein Bond-Film, der mit dem schläfrig-psychotischen Gesang Billie Eilishs und ihren traumatisch unterwühlten Trap-Rhythmen eröffnet wird, braucht danach ein wirklich überzeugendes Drehbuch, um das Publikum wieder in Stimmung zu bringen. So ist die Auswahl dieser Sängerin nicht nur ein schöner dialektischer Dreh, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Betreiber der Bond-Serie selbst bei der 25. Folge immer noch nach neuen Herausforderungen suchen.