Bisher waren die Fronten in der Klimapolitik klar. Auf der einen Seite standen Greenpeace und Greta, auf der anderen die Banken und das Business. Die einen wollten mehr Klimaschutz, die anderen möglichst nicht zu viel. Dazwischen bewegte sich die Politik und versuchte, Kompromisse zu finden: zwischen Ökologie und Ökonomie, Arbeitsplätzen und Erderwärmung, Renditeerwartungen und Umweltrisiken. Bekanntlich hat das nicht besonders gut funktioniert.

Nun aber könnte sich das politische Kräftespiel entscheidend verändern. Manche Kapitalisten reden heute wie Klimaschützer. Da verlangen 200 große Anleger von Unternehmen, dass sie das Pariser Klimaabkommen respektieren. Der Bundesverband der Deutschen Industrie kritisiert den Kohleausstiegsplan der Regierung – als nicht weitgehend genug. Und McKinsey warnt vor der Klimakrise.

Bereits vor Beginn des Weltwirtschaftsforums hatten dessen Teilnehmer die Umweltzerstörung als größte Gefahr der kommenden Jahre identifiziert. Deswegen sucht die Wirtschaftselite in dieser Woche in Davos nach Geschäftsmodellen, die Wachstum und Umwelt versöhnen. Und wie selbstverständlich diskutieren sie dort zwischen Skipiste und Cocktailparty auch mit den Jugendlichen von Fridays for Future.

Es gibt ein unschlagbares Argument für mehr Umweltschutz – es heißt: Rendite

All das sollte man skeptisch begleiten. Das Verhalten des Siemens-Chefs hat das gerade erst gezeigt. Nach Demonstrationen von Fridays for Future vor der Konzernzentrale hatte Joe Kaeser zwar versprochen, die Umwelt künftig mehr zu schützen. Trotzdem liefert er erst noch Signalanlagen nach Australien, die dort den Schienenverkehr zur größten Kohlemine der Welt regeln sollen. Viele andere Unternehmen werden wie Siemens handeln und ihr Geschäft bestenfalls nach und nach klimafreundlich gestalten. Manche werden wohl auch nur grün reden. Und trotz alledem gibt es ein unschlagbares Argument dafür, nicht einfach weiterzuwirtschaften wie bisher. Und das heißt: Rendite.

Auch Unternehmen werden häufiger unter Wetterextremen leiden. Wer also langfristig gute Geschäfte machen will, muss Klimarisiken einplanen – und versuchen, sie zu minimieren. Letzteres geht am preiswertesten durch Vorsorge. Wer heute das Klima schützt, spart morgen Geld. Die Manager des weltweit größten Fonds BlackRock sagen ganz offen, dass sie nicht wie Klimaschützer denken, sondern wie Kapitalanleger: Sie müssen das Geld ihrer Kunden so investieren, dass es auch morgen noch da ist. Und das können Betreiber von Solaranlagen leichter garantieren als die von Kohlekraftwerken.

Wenn aber künftig Milliarden in grüne Technologien fließen und Anleger so argumentieren wie bisher Greenpeace, dann wird das politische Folgen haben. Denn dann steht die Bundesregierung nicht mehr zwischen den Kapitalisten und den Klimaschützern. Dann wird sie von beiden getrieben. Besonders brutal erlebt das gerade der CDU-Wirtschaftsflügel. Bisher hatten sich dessen Mitglieder von Unternehmen getragen gefühlt, wenn sie die Windenergie verhinderten. Neuerdings aber wird es einsam um sie.

Wie mächtig und reaktionsschnell die Allianz aus Unternehmen und Umweltschützern werden kann, hat die Vergangenheit bereits gezeigt. In den Achtzigerjahren wurde zu viel FCKW benutzt, unter anderem in Haarsprays und Schaumstoffen. Das verursachte ein Ozonloch in der Atmosphäre, musste also von den Regierungen schnell verboten werden. Funktioniert hat es aus zwei Gründen: Weil die Umweltschützer das Problem überzeugend darstellen konnten. Und weil die Wirtschaft alternative Stoffe anzubieten hatte.

Ganz ähnlich ist die Lage heute in der Klimakrise. Die Umweltbewegung hat klargemacht, warum der Ausstoß von CO₂ rasant gesenkt werden muss. Zugleich kann die Wirtschaft Kohle, Gas und Öl immer billiger ersetzen, Strom durch Sonne, Wind und Wasser erzeugen. Jetzt fehlt nur noch der letzte Schritt: Die Regierungen müssen die CO₂-Wirtschaft unattraktiv machen. Diejenigen, die das tun, werden bald wissen: Eine solche Politik vertreibt Investoren nicht, sondern zieht sie an. So wie Brandenburg Tesla. Es geht – auch für die Politik der Bundesregierung – nicht mehr darum, zwischen Wirtschaft und Ökologie zu vermitteln, sondern darum, nicht von beiden überholt zu werden.

Klimawandel - Es ist schlimmer als bisher befürchtet Unser Planet heizt sich auf. Gletscher, Schnee und Dauerfrostböden tauen. Unser Video zeigt, wo Sie dem Klimawandel zuschauen können. © Foto: Zeit Online