Der Stoff ist schon seit Jahrzehnten im Einsatz gegen zu hohe Blutzuckerspiegel: Metformin war eines der ersten Medikamente für Patienten mit Altersdiabetes (Typ 2). Erst vor Kurzem aber entdeckten Wissenschaftler Erstaunliches: Metformin wirkt auch bei Krebspatienten. Selbst Schwerkranken kann es zu mehr Lebenszeit verhelfen, wenn man es der Standardtherapie hinzufügt.

Ähnliche Entdeckungen gab es in der Geschichte der Medizin schon häufiger. Doch bisher war es meist Zufall, wenn sich ein Medikament, entwickelt gegen eine bestimmte Krankheit, auch als hilfreich bei einer anderen herausstellte. Das berüchtigte Thalidomid etwa (Markenname Contergan) wird in seiner ungefährlichen Form heute Leprakranken verabreicht. Repurposing nennen Experten solche Umwidmungen altbekannter Wirkstoffe. Häufig ist dabei der Patentschutz längst ausgelaufen, weshalb die Wirkstoffe billiger sind.

Unter Leitung des amerikanischen Krebsforschers Todd Golub hat ein Team am Broad Institute in Boston nun systematisch Tausende seit Langem zugelassene Wirkstoffe im Labor auf eine Wirkung gegen menschliche Krebszellen getestet. Keine der Substanzen war bisher als krebsbekämpfend bekannt, sie waren ursprünglich zum Beispiel gegen die entzündliche Gelenkerkrankung Osteoarthritis, Diabetes oder Alkoholabhängigkeit zugelassen worden.

Zu ihrer eigenen Überraschung fanden die Wissenschaftler bei fast 50 dieser Medikamente eine krebshemmende Aktivität. Dabei stellte sich zudem heraus, dass sie Krebszellen teils auf überraschende und bislang unbekannte Art bekämpfen. Statt bestimmte Signal- oder Stoffwechselprozesse zu blockieren (wie übliche onkologische Präparate), wirken sie oft durch die Aktivierung von Eiweißen in den Krebszellen.

Die Ergebnisse, diese Woche veröffentlicht im Fachjournal Nature Cancer, können Ärzte nun in einer Datenbank einsehen und für weitere Tests an Krebspatienten nutzen. Es lohnt sich offenbar, auch Altvertrautes immer wieder neu zu betrachten.