Warum die Universität die Ausbildung der Lehrer nicht allein meistern kann.

Nine to five?

An deutschen Schulen fehlen Lehrerinnen und Lehrer. Weil zugleich zahlreiche Lehramtskandidaten das Studium abbrechen, plädierten Mathias Brodkorb, Katja Koch und Klaus Zierer an dieser Stelle jüngst für die Einrichtung "staatlicher Lehrerbildungsakademien" und forderten eine Verbeamtung der Studierenden "vom ersten Tag des Studiums an". Als ich das las, rieb ich mir verwundert die Augen: Soll das allen Ernstes eine Perspektive auf den zukünftigen Lehrerberuf sein?

Unbestritten ist, dass die Lehrerbildung an der Universität noch keine optimale Form gefunden hat, die Vermittlung von Theorie und Praxis auf weiten Strecken nicht gelingt. Doch die Einrichtung von "Lehrerbildungsakademien" ist keine Lösung, sondern ein gewaltiger Schritt zurück. Die Akademisierung der Lehrerbildung ist das Ergebnis eines langen Prozesses der Professionalisierung, der weit ins 20. Jahrhundert zurückreicht. Wer junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen möchte, wird sie kaum mit dem Duft der engen Welt alter pädagogischer Hochschulen locken können – auch wenn angeblich das Personal aus "hochkarätigen Wissenschaftlern" bestehen soll. Ich möchte den "hochkarätigen Wissenschaftler" sehen, der freiwillig eine Karriere an einer "Lehrerbildungsakademie" der an einer Universität vorzieht.

Und dann der Vorschlag der Verbeamtung vom ersten Tag an! Was für ein Lehrerbild haben die Autoren im Kopf? Sollen hier staatstragende junge Menschen ausgebildet werden, die mit 17 Jahren die Schule verlassen haben, nichts als die Welt der Schule kennen und die dann erneut mit 22 oder 23 Jahren, materiell gut abgesichert, das pädagogische Zepter in dem kleinen Kosmos Schule übernehmen?

Das sind nicht die Schulpädagogen, die gegenwärtig in unserem Land vonnöten sind. Angesichts einer großen Diversität der Schülerschaft, gesellschaftlicher Unsicherheiten und globaler Herausforderungen braucht die Schule in Deutschland ein aufgeklärtes, kritisches, weltoffenes Personal, das mehr als die Welt der Schule kennt.

Hilfreich wäre es, wenn alle, die den Lehrerberuf ergreifen möchten, sich vor dem Studium mindestens ein Jahr lang in einem gesellschaftlichen Feld betätigt hätten, das außerhalb der Schule liegt – Ort und Art der Tätigkeit wären ohne Belang. Zudem sollten verstärkt die häufig geschmähten Quereinsteiger für den Lehrerberuf qualifiziert werden. Sie bereichern das pädagogische Geschäft durch außerpädagogische Kenntnisse und Erfahrungen. Die Furcht vor einer Dequalifizierung des Lehrerberufs ist unbegründet – jedenfalls solange die Quereinsteiger einen Masterabschluss vorweisen müssen, wie in Berlin.

Leicht zu realisieren wäre auch, dass Lehramtsstudierende mit Beginn des Studiums einen kontinuierlichen Kontakt zu Patenschulen haben. Auf diese Weise würden sie von Anfang an die hochkomplexe Tätigkeit von Lehrern kennenlernen und mit dem Schulleben und dem Unterrichtsgeschehen vertraut werden. Durch diese permanente Verbindung von Theorie und Praxis entfiele im Übrigen das gefürchtete und oft realitätsferne Referendariat.

Die akademische Lehrerbildung an der Universität ist unverzichtbar. Aber die jeweiligen Fächer sollten stärker auf die Besonderheiten des Lehramtsstudiums, das eben mehr als nur ein Fach umfasst, ausgerichtet sein. Hier ein adäquates Lehrangebot seitens der Fächer zu entwickeln ist unerlässlich – und da viele Fächer an der Universität ihre auskömmliche Existenz nicht zuletzt den Lehramtsstudiengängen verdanken, ist diese Forderung nicht mehr als recht und billig.

Die Schule der Zukunft wird ihren Herausforderungen nur gerecht werden können, wenn in ihr Lehrerinnen und Lehrer arbeiten, die sich gut auskennen in der Welt und unserer Gesellschaft – und die bereit und kompetent sind, die Heranwachsenden mit Empathie und kritisch-reflexiver Haltung auf dem schwierigen Weg in ein unsicheres Leben zu begleiten.