Eine Welt am Abgrund findet zwischen zwei Buchdeckeln Platz. Mal ist der Strom auf ganzen Kontinenten ausgefallen, dann ufert die Gentechnologie aus, die digitale Technik nimmt überhand, irgendwann gerät der Kapitalismus endgültig aus den Fugen. Der Autor Marc Elsberg lächelt, wenn er darüber nachdenkt. "Ich mag es, wenn es kracht", sagt er dann.

In Elsbergs Büchern gerät die Menschheit an ihre Grenzen, und Gesellschaften drohen zu kippen. Es sind aber keine fiktionalen Dystopien, die er erzählt, die Bedrohungsszenarien sind real. Die Bücher des 53-jährigen Wieners, manche sind mehr als 800 Seiten dick, werden als "Wissenschaftsthriller" bezeichnet. Zwei Millionen Exemplare seiner vier Bestseller wurden laut Verlag mittlerweile im deutschsprachigen Raum verkauft und vielfach übersetzt: Japanisch, Englisch, Koreanisch, Polnisch und mehr.

Die Geschichten folgen dem Drehbuch für Thriller: Er schreibt kurze, klare Sätze, dreht keine sprachlichen Pirouetten. Am Ende jedes Kapitels steht ein Cliffhanger. Das ist die eine, die triviale Seite der Bücher. Die andere ist, dass Elsberg immer nah an wissenschaftlichen Erkenntnissen bleibt, er verbreitet kein ungesichertes Wissen, sondern das Ergebnis genauer Recherchen.

"Verdammt, das ist ja ein Fachbuch", sagte Eberhard Oehler, Chef der Stadtwerke Ettlingen einmal über das Buch Blackout, in dem ein Cyberangriff zum Ausfall des Stromnetzes in ganz Europa führt. Als im Jahr 2016 der damalige deutsche Innenminister Thomas de Maizière das Zivilschutzkonzept vorstellte, verwies er ebenfalls auf das Buch. Und mit dem deutschen Wirtschaftsweisen Lars Feld diskutierte Elsberg anlässlich seines aktuellen Buches Gier in der FAZ über Egoismus und Kapitalismus.

Thriller mit aufklärerischem Anspruch könnte man Elsbergs Bücher nennen. Nur hört er das gar nicht gern. "Das klingt komisch", sagt er. Er erzähle Geschichten, die ihn interessieren. Bei Blackout ging es darum, die weltweite Vernetzung darzustellen, wie sie bis in die kleinsten Lebensbereiche hineinspielt. Das wollte er erzählen, und zwar so, dass es Menschen berührt, möglichst aufregend. "Das ist Spannung und Unterhaltung", sagt er. "Dass Aufklärung damit einhergeht, ist eine feine Sache, aber ein Nebeneffekt."

Er spricht oft leise und langsam, ohne Pointen und ohne Zynismus. Sein erster Roman war ausgerechnet eine Satire. Die Reklamefigur Saubermann wird darin zum Leben erweckt und steigt in die Politik ein. Angelehnt an den Aufstieg Jörg Haiders, wird eine Geschichte über Politik, Werbung und Medien erzählt.

Das Buch war ein Flop, auch die weiteren, die Marc Elsberg unter seinem echten Namen schrieb: Marcus Rafelsberger. Doch schon damals wollte er erfolgreich sein. Romane zu schreiben war ihm zu wenig. Bestseller sollten es ein.

Aufgewachsen ist er mit zwei jüngeren Geschwistern in Baden bei Wien. Der Vater war Ingenieur bei Semperit in Traiskirchen, die Mutter hatte die Modeschule in Hetzendorf besucht und blieb bei den Kindern zu Hause. Es war eine bürgerliche und behütete Kindheit. Die Eltern animierten die Kinder zum Lesen, alle lernten ein Instrument, und die Fernsehzeit war auf eine halbe Stunde täglich begrenzt.

Der älteste Sohn interessierte sich für Kunst und begann zu malen. Als Zivildiener zog er nach Wien, teilte sich ein Atelier mit einem Freund und veranstaltete Ausstellungen. Nach einem Semester an der Wirtschaftsuniversität wurde er im zweiten Anlauf an der Universität für angewandte Kunst Wien aufgenommen und begann nebenbei in einer Werbeagentur zu arbeiten.