Die kirchlichen Widerstandskämpfer gegen Hitler, die in Berlin-Plötzensee und anderswo hingerichtet wurden, haben die Ökumene massiv gefördert, indem sie mit ihrem Tod Grenzen zwischen den Konfessionen abbauen halfen. Im gemeinsamen Gedenken entstand vor gut zehn Jahren das "Ökumenische Gedenkzentrum" am Heckerdamm im Norden Charlottenburgs, eine halbe Stunde Fußweg von der 1952 errichteten staatlichen Gedenkstätte entfernt, die sich direkt am einstigen Tatort befindet.

Der Schritt zum gemeinsamen Gedenken ging von den Protestanten aus.

In unmittelbarer Nachbarschaft hatte die katholische Kirche 1963 das Gotteshaus Maria Regina Martyrum errichtet, als Gedächtniskirche der deutschen Katholiken. Zu Ehren der Blutzeugen, die "in der Dunkelheit, da Misstrauen und Hoffnungslosigkeit und Hass ihre Stunde hatten, Vertrauen, Hoffnung und Liebe aus christlichem Geist durch ihr Opfer bezeugt haben". So stand es in der gemeinsamen Erklärung, die die Teilnehmer des Katholikentages in Berlin 1958 abgefasst hatten. Der Schritt zum gemeinsamen Gedenken ging aber einmal mehr von den Protestanten aus, vom evangelischen Gemeindezentrum Plötzensee. Bekannt ist der Ort auch bei Kunstfreunden, weil dort der Wiener Künstler Alfred Hrdlicka den "Plötzenseer Totentanz" aus 16 Tafelbildern geschaffen hat. In den dortigen Gemeinderäumen wird seit etwa zehn Jahren die ökumenische Gedenkstättenarbeit weiterentwickelt. Die war lange Zeit defizitär. Der Charlottenburger Pfarrer Michael Maillard verdeutlichte in einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur noch einmal, wie eng der Kampf gegen Hitler Evangelische und Katholische zusammenführte. Dieses Vermächtnis soll nun verstärkt ins Bewusstsein gerückt werden.

Teile der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die das Attentat plante, wurden in Plötzensee hingerichtet. 75 Jahre nach Ende der Naziherrschaft will das Ökumenische Gedenkzentrum die Zusammenarbeit weiter ausbauen mit mehr Ausstellungen, Konzerten, auch eine Bibliothek über den Widerstand soll entstehen. Am 25. Januar laden das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zu einem Jahresempfang dort ein. Es spricht Pfarrer Fritz Delp, ein Neffe des Jesuitenpaters Alfred Delp, der vor 75 Jahren in Plötzensee als Mitglied der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis hingerichtet wurde. Sein Thema: "Von der Schwierigkeit, Erinnerungskultur zu betreiben".

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