Das Kopftuch polarisiert in beispiellosem Maße. Als jüngst an der Universität Frankfurt über ein Kopftuchverbot diskutiert wurde, kam es im Publikum zu tumultartigen Szenen, denen ein Polizeieinsatz folgte. Schon im vergangenen Frühjahr hatte eine Konferenz unter dem Titel "Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" Proteste ausgelöst; die Konferenz wiederum war auch eine Reaktion auf die kontroverse Ausstellung Contemporary Muslim Fashions gewesen. In Österreich wurde im Mai ein Kopftuchverbot für Grundschülerinnen erlassen, ein Anliegen, das im November auch den CDU-Parteitag beschäftigte. Währenddessen trendete auf Twitter der von einer islamistischen Online-Initiative initiierte Hashtag #NichtOhneMeinKopftuch. Durch seine Sichtbarkeit befeuert das Kopftuch Ängste vor einer "Islamisierung" und wird gleichzeitig von muslimischen Befürwortern als Symbol der Unterordnung unter Gott, oft auch als Ausweis einer überlegenen Sexualmoral gehandelt. Derart mit Bedeutung aufgeladen, wird es in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem, wenn nicht sogar dem zentralen identitätsstiftenden Merkmal muslimischer Frauen überhöht.