© Hoffmann und Campe

1 (-) Eva Weissweiler: Das Echo deiner Frage. Dora und Walter Benjamin
Hoffmann und Campe; 383 S., 24,– €

Dora Benjamin war die Frau von Walter Benjamin, aber vor allem eine Intellektuelle: Sie schrieb über Musik und Philosophie und verfasste Romane. Eva Weissweiler hat die Beziehungsgeschichte zwischen Dora und Walter Benjamin untersucht. Ihre Biografie wirkt wie Serienstoff: Zuneigung, Affären, das erste Kind, schließlich die Scheidung – und überall stets der rigorose Eigenbrötler Walter Benjamin. 85 Punkte



Banerjee Duflo Gute oekonomie fur harte Zeiten © Penguin

2 (-) A. Banerjee/E. Duflo: Gute Ökonomie für harte Zeiten
A. d. Engl. v. T. Schmidt et al.; Penguin; 560 S., 26,– €

Die Ökonomen Esther Duflo und Abhijit Banerjee haben 2019 für ihre Studien zur Linderung der Armut den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Nun erscheint ihr neues Buch, das die größten Herausforderungen der Weltwirtschaft thematisiert: wachsende Ungleichheit, Globalisierung, Umweltkatastrophen, Populismus. Die beiden plädieren für eine Politik, die Reiche besteuert und Armen eine Stimme verleiht. 70 Punkte



© Hanser

3 (-) Patrik Svensson: Das Evangelium der Aale
A. d. Schwed. v. Hanna Granz; Hanser; 256 S., 22,– €

Der Schwede Patrik Svensson hat mit seinem Vater wenig gesprochen, dafür oft und reichlich Aale gefangen. Die komplexe Geschichte dieser Vater-Sohn-Beziehung erzählt der Autor durch das Prisma seiner Aalfaszination. Von Aristoteles bis Sigmund Freud lernt man viel über die komplexe Biologie dieses mysteriösen Tiers – und über menschliche Sehnsüchte, Ängste und Träume; über Leben und Tod. 61 Punkte





© Rowohlt

4 (-) Ronan Farrow: Durchbruch
A. d. Engl. v. H. Dedekind, H. Dierlamm, A. Gravert u. a.; Rowohlt; 528 S., 24,– €

Am 10. Oktober 2017 explodiert die Bombe: Der Journalist Ronan Farrow veröffentlicht im New Yorker einen Artikel, in dem er darstellt, wie der Filmmogul Harvey Weinstein über Jahrzehnte hinweg Hunderte Frauen sexuell genötigt haben soll. Farrow rekonstruiert den Skandal und zeigt, wie ein Netzwerk Weinstein schützte, das tief in die Politik und die Medienlandschaft reicht. 43 Punkte

Kuebra Guemuesay Sprache und Sein © Hanser Berlin

5 (-) Kübra Gümüşay: Sprache und Sein
Hanser Berlin; 208 S., 18,– €

Wie kann man sprechen, ohne in Klischees zu verfallen? Welche Kategorien gibt es, um Menschen nicht in Schubladen zu stecken? Darüber schreibt die Journalistin Kübra Gümüşay. Sie macht sich auf die Suche nach einer Sprache, die gemeinschaftliches Denken zulässt, ohne Differenzen zu kaschieren. Ein Pamphlet für eine Gesellschaft, die trotz wachsender Unterschiede miteinander reden kann. 42 Punkte

© Schirmer/​Mosel

6 (3) Armin Zweite: Gerhard Richter. Leben und Werk
Schirmer/Mosel; 480 S., 128,– €

Das Buch des Kunsthistorikers Armin Zweite durchmisst das Werk des bedeutendsten lebenden deutschen Künstlers, Gerhard Richter. Über sein Leben erfährt man wenig, über das Werk wiederum alles. Zweite legt in einer erkenntnistheoretischen Tiefe und zeitgeschichtlichen Finesse offen, was Richters europäisch geprägtes Schaffen für die globale Kunst bedeutet. Ein Buch, das im wahrsten Sinne die Augen öffnet. 37 Punkte



© Rowohlt

7 (1) Jens Bisky: Berlin. Biographie einer großen Stadt
Rowohlt Berlin; 976 S., 38,– €

Dem Journalisten Jens Bisky gelingt das Unmögliche: der meistbesprochenen Stadt in Deutschland neue Facetten abzuringen. Sein Berlin-Buch beginnt im 17. Jahrhundert, als die Stadt zu neuer Größe aufsteigt, sich mit Rom und Paris messen will. Bisky porträtiert eine Metropole der Widersprüche: Ort der Macht, der Teilung, der Repression und zugleich des Widerstands und des ewigen Experiments. 30 Punkte



© Suhrkamp

8 (7) Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen
Suhrkamp; 305 S., 18,– €

Nach dem wegweisenden Buch Gesellschaft der Singularitäten beschäftigt sich Andreas Reckwitz in seiner Essaysammlung mit dem Strukturwandel der Gesellschaft. Der Soziologe seziert die neue Klassengesellschaft, die postindustrielle Ökonomie, die Konflikte um Kultur und Identität und den Imperativ der Selbstverwirklichung, woraus Erschöpfung und Demokratiemüdigkeit entspringen. 25 Punkte





© Suhrkamp

8 (-) Karl Heinz Bohrer: Mit Dolchen sprechen. Der literarische Hass- Effekt
Suhrkamp; 493 S., 28,– €

Mit Leidenschaft begehrt der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer gegen moralistische Gesinnungsästhetik auf. Sein Buch ist ein Plädoyer für den Hass in Prosa und Poesie. Er analysiert Szenen der Gewalt von Homer bis Houellebecq und erschafft eine Ästhetik des Bösen, die den Wesenskern von Literatur beschreibt. "Die Tiger des Zornes sind weiser als die Rosse der Belehrung", heißt die These des Buchs. 25 Punkte



© Suhrkamp

10 (2) Reinhart Koselleck/ Carl Schmitt: Der Briefwechsel. 1953–1983
Suhrkamp; 459 S., 42,– €

Drei Jahrzehnte lang schrieben sich der Staatsrechtler Carl Schmitt und der Historiker Reinhart Koselleck Briefe. So verschieden die beiden Intellektuellen auch waren: Sie verbanden philosophische Interessen und historische Fragen. Ihre Korrespondenz offenbart Schmitts randständige Stellung nach 1945, Kosellecks wissenschaftliche Karriere und beider Blick auf die politischen Entwicklungen ihrer Epoche. 23 Punkte