Das Schöne an guten Geschichten ist, dass sie sich immer wieder neu erzählen und verkaufen lassen. Ist etwas als "das Buch" erfolgreich, wird daraus bald "der Film", "die Serie" oder "das Spiel" – und dann unweigerlich "das Musical". Letzteres folgt ja bei Menschen, die einen gewissen Bezug zur Musik haben (Tina Turner, Udo Jürgens, Abba etc.) auch einer gewissen Logik. Bei anderen Stoffen ist das nicht zwingend.

Irgendwann 2021 droht die musikalische Wiederkehr der Eiskönigin, der Vorverkauf hat begonnen ("Jetzt eiskalt anmelden!"). Dann wird die Geschichte von Elsa und Anna, die quasi allen Kindern der Welt bereits auf Leinwänden, Mattscheiben, Buchseiten und in Form von bedruckter Bettwäsche nahegebracht wurde, eben auch noch auf der Bühne vorgesungen. Aber was soll man sich beklagen? Gute Geschichten leben bekanntlich auch von der Wiederholung.

Gute Geschäfte hingegen leben von der Ausdehnung. Und auch hier passen sich Musicals den Kino-Vermarktungstrends an. Den Anfang macht das Musical Harry Potter und das verwunschene Kind, das demnächst in Hamburg zu sehen ist. Fans des Zauberlehrlings werden sich erinnern, dass es sieben Bücher gab, aber acht Kinofilme. Was vermutlich nicht ausschließlich daran gelegen hat, dass die Handlung des letzten Buchs zu komplex gewesen war, um sie in nur einem Kinofilm erzählen zu können. Also zerlegten die Macher das Werk einfach in zwei Sub-Teile und baten die Zuschauer zweimal an die Kinokasse. Hat ja auch geklappt. Weswegen es kaum verwunderlich ist, dass nun das Musical von vornherein als Zweiteiler daherkommt.

Dessen Handlung ist für die Bühne erdacht, mit der Umsetzung eines überlangen Romanstoffes lässt sich diesmal also gar nichts erklären. Das kaufmännische Konzept hingegen bleibt schlüssig: auch für den Musical-Besuch bezahlt man zweimal. Bei Preisen zwischen 50 und 150 Euro je Ticket bedeutet das schon eine Investition, erst recht wenn man einen Familienausflug plant. Ob die Zauberei zwingend gesungen werden muss, ist dabei gar nicht mal so relevant. Die wahre Magie besteht nämlich darin, eine Eintrittskarte in zwei zu verwandeln.

Richtigstellung:Anders als beschrieben handelt es sich bei "Harry Potter und das verwunschene Kind" nicht um ein zweiteiliges Musical, sondern um ein zweiteiliges Theaterstück, bei dem nicht gesungen wird.