Tja, die Ökumene: Sie ist wie das ungeliebte Kind eines getrennt lebenden Paares, für das keine der beiden Hälften das Sorgerecht übernimmt. Ab und an lassen sich die Erzeuger mit ihrem gemeinsamen Sprössling sehen; bei feierlichen Anlässen wird er schön eingekleidet, vor aller Augen demonstrativ mit Zuneigung überschüttet. Damit wird der Öffentlichkeit familiäre Harmonie vorgegaukelt. Doch kaum wenden sich die Blicke wieder ab, verschwindet der Balg in der Versenkung, um bei nächster Gelegenheit wieder herausgeputzt ausgeführt zu werden.

Das Paar muss sich entscheiden. Die Not zwingt es, näher zusammenzurücken. Der Hannoveraner evangelische Bischof Ralf Meister regt zur Gründung ökumenischer Gemeinden an, um dem dramatischen Mitgliederschwund der Kirchen zu begegnen. "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen" steht zwar in der Bibel, aber die muss man erst mal finanzieren können. Falls nicht, sticht das logistische jedes liturgische Argument. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) plädierte Meister für Gottesdienste mit evangelischen und katholischen Christen unter einem Kirchendach: Seine Begründung: "Viele Menschen fragen schon heute nicht mehr danach, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, sondern nur, ob er Christ oder Christin ist."

Überraschend an dieser Geschichte ist, dass der evangelische Bischof von Hannover von katholischer Seite Zustimmung erhält. Haben doch die "Römisch-Gläubigen", wie sie von eingefleischten Lutheranern früher genannt wurden, ein "Gottseibeiuns" gebetet, wenn vom Teufel geredet wurde. Zumindest wenn es um die Ökumene mit Protestanten ging.

Aber der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer kann sich für diese lutherische Idee trotz Abendmahl-Entzweiung erwärmen. Er habe die feste Auffassung, dass es zwischen den beiden großen Kirchen viel mehr Verbindendes als Trennendes gebe: "Wie wir in der Seelsorge gemeinsame Wege gehen können, ist eine richtige und wichtige Frage für die Zukunft. Damit werden wir uns in der Ökumene ganz sicher weiter befassen."

Den zum Katholizismus konvertierten Regensburger Diözesanpriester Hartmut Constien macht, wie er gegenüber der Würzburger "Tagespost" sagte, "sprachlos", wie ein katholischer Oberhirte diese Idee gutheißen könne. Weder als katholischer noch als evangelischer Seelsorger habe er das für zielführend gehalten. Er entgegnet: "In Wahrheit ist es doch vielmehr so, dass sehr viele Menschen in der Kirche überhaupt nicht mehr wissen, was sie eigentlich glauben. Eine Kirche, die mit immer weniger Profil daherkommt, wird dem schwindenden Glaubenswissen unserer Zeit jedenfalls nicht entgegentreten können."

In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Aber die muss man erst mal finanzieren können.

Bischof Hans-Jörg Voigt, der geistliche Leiter der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), hält es wie der Regensburger Geistliche für das falsche Rezept: Der Vorschlag von Ralf Meister komme ihm so vor, als wolle man die "Glaubenserkältung" mit einem "Rheuma-Mittel" bekämpfen. Ökumene als Synonym für Zusammenkunft kann ganz offensichtlich auch sein, wenn über das Beharren auf das Trennende Einmütigkeit herrscht.

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